Island 2018

Die­ses Jahr gehen unse­ren lang­ersehn­ten Urlaub dunk­le Schat­ten vol­ler Trau­er vor­aus. Und den­noch oder gera­de des­we­gen flie­gen wir weg, um zur Ruhe zu kom­men und auch Abstand zu gewin­nen, von einer Zeit, die geprägt war von Unge­wiss­heit, Angst und Sor­ge.

Ursprüng­lich waren die Azo­ren unser Ziel- eine Insel­grup­pe im Atlan­tik, die sich in der Nähe von Por­tu­gal befin­det. Da es kei­ne Direkt­flü­ge mehr gibt und wir beim Hin- und Rück­flug jeweils für 6 Stun­den in Lis­sa­bon zwi­schen­ge­lan­det wären, haben wir uns ent­schie­den nach Island zu flie­gen.

Island ist eine Insel, die durch Vul­ka­ne, Gey­si­re, Lava­fel­der und Ther­mal­quel­len geprägt ist. Es ist, von der Flä­che her betrach­tet, der zweit­größ­te Insel­staat in Euro­pa und liegt süd­öst­lich von Grön­land im Nord­at­lan­tik. Durch das ozea­nisch küh­le Kli­ma, wel­ches durch den kal­ten Grön­land­strom und den war­men Irmin­ger­strom beein­flusst wird, wer­den es in den Som­mer­mo­na­ten durch­schnitt­lich 15 Grad und im Win­ter bewe­gen sich die Tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 0 und 3 Grad. In der Som­mer­zeit rech­net man ‑2 Stun­den und in der Win­ter­zeit ‑1 Stun­de zu der Uhr­zeit in Deutsch­land.

15. Juli 2018

Es ist 5.25 Uhr und ich wer­de wach. Es ist noch viel zu früh, um auf­zu­ste­hen. Ich sehe zur lin­ken Sei­te, doch die­se ist leer. Ver­mut­lich war ihm wie­der zu warm und er irgend­wann nachts ins Wohn­zim­mer umge­zo­gen.

Eigent­lich könn­te ich noch etwas schla­fen, doch gedank­lich gehe ich alles durch, ob ich nichts ver­ges­sen habe, was noch zu machen ist und wann ich was mache, um nicht in zeit­li­cher Bedräng­nis zu kom­men. Das führt dazu, dass ich nicht mehr ein­schla­fen kann. Das und der Druck in der Bla­sen­ge­gend, wel­cher mich zwangs­läu­fig auf­ste­hen lässt. Auf den Weg ins Bade­zim­mer fällt mein Blick in das Wohn­zim­mer, wo mein Mann fried­lich auf dem Sofa schläft. Genau­ge­nom­men kann ich es mir spa­ren wie­der ins Bett zu gehen, da ich ohne­hin nicht mehr ein­schla­fen wer­de und den­noch krabb­le ich wie­der zurück ins Bett und las­se mich vom Fern­se­her berie­seln. Dabei schla­fe ich wie­der ein und wer­de um 6.30 Uhr von allei­ne wach. Nun ist es auch an der Zeit auf­zu­ste­hen. Wir wol­len noch früh­stü­cken, ich möch­te noch duschen, wobei mir bei dem Gedan­ken lei­se Zwei­fel in mir hoch­ka­men, ob es ges­tern wirk­lich eine so gute Idee war, dass Duschen auch heu­te zu ver­schie­ben. Das könn­te wohl­mög­lich doch noch zur Zeit­not füh­ren, da noch eini­ges ande­res zu erle­di­gen ist, bevor wir zum Bahn­hof gefah­ren wer­den. Nun gut, was solls. Ich schaf­fe das schon irgend­wie. Inzwi­schen ist mein Mann auch schon auf­ge­stan­den und in der Küche zu Gan­ge. Ich beschlie­ße noch vor dem Früh­stück duschen zu gehen. Nicht das ich nicht mehr dazu kom­me, da ich wie­der viel zu lan­ge mit Kaf­fee trin­ken beschäf­tigt bin, was durch­aus auch schon mal eine Stun­de dau­ern kann. Auch beim duschen las­se ich mir sonst ger­ne Zeit, doch heu­te dusche ich im Schnell­durch­lauf. Nach­dem ich mit dem Duschen fer­tig bin früh­stü­cken wir, was ich auch nicht wirk­lich genie­ßen kann, da ich in Gedan­ken immer wie­der durch­ge­he, was noch alles gemacht wer­den muss und ich die Zeit im Blick habe, die gegen uns arbei­tet.

Ich schlin­ge mein Bröt­chen run­ter, trin­ke mein Kaf­fee rela­tiv schnell und begin­ne damit den Tisch abzu­räu­men. Schnell noch abwa­schen, Blu­men gie­ßen, mich auf­hüb­schen und die letz­ten Sachen in den Kof­fer packen. Die Zeit ver­geht, in mei­nen Augen, viel zu schnell, doch wäh­rend­des­sen ich durch die Woh­nung eile, sitzt mein Mann ganz ent­spannt auf dem Sofa und spielt mit sei­nem Han­dy, als wür­de er nicht dazu gehö­ren und ich allei­ne nach Island flie­gen. Die Blu­men sind gegos­sen, der Abwasch erle­digt und ich kann ich anders, als zu fra­gen, ob er nicht lang­sam anfan­gen möch­te sich fer­tig zu machen. Ich bekom­me zur Ant­wort, dass er gleich anfängt und schon wid­met er sich wie­der sei­nem Han­dy.

Gera­de als er auf den Weg in den Kel­ler ist und ich die Zahn­bürs­te im Mund habe, klin­gelt es an der Tür. Unser „Taxi“ zum Bahn­hof ist da. Er hat es auf dem Weg zum Kel­ler mit­be­kom­men und kommt zurück, um sich den Schlüs­sel für die Haus­tür zu holen. Ich gebe ihm wild ges­ti­ku­lie­ren und mit Zahn­pas­ta im Mund zu ver­ste­hen, dass es gera­de geklin­gelt hat. Von ihm kommt nur, dass ich ruhig blei­ben soll, was mich in die­sen Moment noch mehr auf­regt.

Es ist 8.25 Uhr und ich lau­fe hin und her, um die rest­li­chen Sachen in den Kof­fer zu packen. Neben­bei win­ke ich unse­ren Fah­rer zur Begrü­ßung zu und sage kurz „Hal­lo“, denn für mehr ist kei­ne Zeit. Inzwi­schen ist es kurz nach 9.00 Uhr und wir tra­gen die Kof­fer zum Auto. Der Kof­fer­raum ist sehr klein. Wir spie­len mit den Kof­fern Tetris, bevor wir Rich­tung Bahn­hof fah­ren. Zum Glück sind die Stra­ßen frei und wir errei­chen recht­zei­tig den Bahn­hof. Der Zug trifft nur Minu­ten spä­ter ein. Die ers­te Etap­pe ist geschafft- wir sit­zen im Zug in Rich­tung Ber­lin. Mit die­sen fah­ren wir bis Ber­lin Jung­fern­hei­de, wo wir dann in den Bus Rich­tung Flug­ha­fen stei­gen. Dort ange­kom­men gehen wir erst ein­mal in das Flug­ha­fen­ge­bäu­de ohne zu wis­sen wohin wir müs­sen. Auf der Suche nach Hin­weis­ta­feln, fragt mein Mann einen Mit­ar­bei­ter vom Flug­ha­fen, der uns zur Flug­ha­fen­in­fo schickt. Dort erfah­ren wir, dass wir zum Ter­mi­nal C müs­sen, um unse­re Kof­fer los­zu­wer­den. Wir mar­schie­ren los. Ich bin schon leicht genervt von dem Her­um­ir­ren und den gan­zen Men­schen­mas­sen. Beim Ter­mi­nal ange­kom­men müs­sen wir zum Schal­ter C55 – C57, um die Kof­fer auf­zu­ge­ben. Eini­ge Men­schen ste­hen bereits, aber vom Flug­ha­fen­per­so­nal ist weit und breit kei­ne Spur. Also heißt es war­ten, was kei­ne Stär­ke von mir ist. Nach eini­ger Zeit kom­men zwei Damen, die ganz in Ruhe ihren Arbeits­platz vor­be­rei­ten, bevor es los­geht, dass das Gepäck abge­ge­ben wer­den kann. Es dau­ert nicht lan­ge und schon sind wir an der Rei­he. Die Kof­fer stel­len wir auf das Band und wir bekom­men unse­re Boar­ding­cards. Beim gehen fällt mir auf, dass wir kei­ne Plät­ze neben­ein­an­der haben. Ich muss tief durch­at­men, da es mich auf­regt und ich schon beim Beob­ach­ten, wie die bei­den Damen ihren Arbeits­platz errich­ten, den Ein­druck hat­te, dass die eine Frau nicht bei der Sache zu schein scheint, was sich gera­de bestä­tigt hat. Wir gehen zum Schal­ter zurück und ich fra­ge, so freund­lich es mir gera­de mög­lich ist, ob das so sein soll, dass wir aus­ein­an­der sit­zen. Ohne ein Wort der Ent­schul­di­gung kor­ri­giert sie die Tickets und wir bekom­men zwei Plät­ze neben­ein­an­der. Lang­sam aber sicher über­kommt uns der Wunsch, dass „stil­le Ört­chen“ auf­zu­su­chen. Über den hygie­ni­schen oder bes­ser unhy­gie­ni­schen Zustand möch­te ich mich nicht wei­ter äußern- eine abso­lu­te Kata­stro­phe! Der nächs­te Weg führt uns zu den Zeit­schrif­ten. Ich benö­ti­ge die­ses Mal kei­ne, da ich ein Buch mit­ge­nom­men habe. Anschlie­ßend holt sich mein Mann einen Bur­ger. Danach gehen wir noch ein­mal raus, um eine zu rau­chen. Er setzt sich auf eine Stan­ge und kurz dar­auf greift er sich in den Nacken. Er wur­de tat­säch­lich vom Vogel getrof­fen. Das nun auch noch! Mit einem Taschen­tuch kann ich das meis­te ent­fer­nen. Wir bege­ben uns zur Sicher­heits­kon­trol­le, die wir ohne Bean­stan­dung pas­sie­ren. Der Duty-free Bereich ist in Ber­lin Tegel sehr klein und wir haben ihn schnell durch­lau­fen.

Wir set­zen uns in der Nähe vom Gate 66, wo in gut 1,5 Stun­den das Boar­ding beginnt. Ich neh­me mein Buch und begin­ne zu lesen. Auf wun­der­sa­me Art und Wei­se ver­geht die Zeit schnell. Nach und nach sam­meln sich immer mehr Men­schen vor dem Gate. Nun kom­men die bei­den Damen, die bereits unser Gepäck ent­ge­gen­ge­nom­men hat­ten. Sie berei­ten alles zum Boar­ding vor und die Schlan­ge wird immer län­ger. Wir beob­ach­ten das gan­ze Trei­ben. Erst als deut­lich weni­ger Leu­te anste­hen, stel­len wir uns an. Schon sit­zen wir im Flug­zeug und ich wie gewohnt am Fens­ter. Nach den übli­chen An- und Durch­sa­gen bewegt sich das Flug­zeug Rich­tung Start­bahn. Mit dem abheben habe ich, wie auch schon beim Flug nach Madei­ra, das Lied „Astro­naut“ von Sido im Kopf. Es ist ein traum­haf­tes Wet­ter. Die Son­ne scheint und die „Welt“ unter uns wird immer klei­ner. Ich mache mit mei­nem Han­dy Bil­der und stel­le mir dabei vor in eine Wol­ke zu sprin­gen.

Wäh­rend ich den ers­ten Teil des Tages auf­schrei­be, nähern wir uns unse­rem Ziel- Island. Im Hin­ter­kopf ist wie­der der Gedan­ke, dass hof­fent­lich auch unse­re Kof­fer mit am Board sind.

Was sich bei die­sem Flug­zeug von den ande­ren unter­schei­det ist, dass die Busi­ness-Class durch einen Vor­hang von der Eco­no­my-Class getrennt ist. Der Platz, den wir haben ist aus­rei­chend, wir hat­ten schon wesent­lich weni­ger Bein­frei­heit. Die 3,5 Stun­den Flug­zeit wer­den sich gut aus­hal­ten las­sen. Ich freue mich schon sehr auf Island, das Hotel und was wir bei den Aus­flü­gen sehen und erfah­ren wer­den. An der Lan­dung ist nichts zu bemän­geln. Die Park­po­si­ti­on ist erreicht und wir kön­nen aus­stei­gen. Gefühlt lau­fen wir ein­mal quer über die Insel bevor wir da hin­kom­men, wo wir hof­fent­lich unse­re Kof­fer bekom­men. Da ste­hen wir und ver­fol­gen die Anzei­ge­ta­fel, auf der zu erken­nen ist, wel­cher Flug auf wel­chem Band in kür­ze, gera­de oder voll­stän­dig alle Kof­fer aus­ge­la­den hat.

Nach einer gefühl­ten Ewig­keit ist es soweit, die Anzei­ge schal­tet von wird in kür­ze auf gera­de wer­den die Kof­fer auf das band gepackt um. End­los vie­le Kof­fer kom­men an uns vor­bei. Der ers­te von unse­ren Kof­fern kommt und wir kön­nen die­sen vom Band neh­men, kur­ze Zeit spä­ter folgt der zwei­te Kof­fer. Mir den Kof­fern hin­ter uns her­zie­hend suchen wir den Schal­ter, an dem wir Geld tau­schen kön­nen.

Wir haben erfolg­reich Geld umge­tauscht und gehen Rich­tung Aus­gang, um den rich­ti­gen Bus zu suchen, der uns hof­fent­lich schnell zum Hotel bringt. Der Bus ist schnell gefun­den, doch die­ser ist voll. Nur gut, dass der nächs­te Bus direkt dahin­ter­steht. Das Wet­ter ist für Island typisch nass/kalt und erin­nert eher am Herbst als am Som­mer. Doch ich wuss­te bereits zu Hau­se, dass es heu­te reg­net. Die nächs­ten Tage wird es wech­sel­haft wer­den. Zurück zum Bus. Der fei­ne Nie­sel­re­gen bahnt sich sei­nen Weg durch die Sachen und mei­ne Lau­ne sinkt merk­lich. Die Kof­fer sind ver­staut und wir stei­gen in den Bus. Eine Frau fragt uns in einem mili­tant freund­li­chen Ton zu wel­chem Hotel wir wol­len. Ich glau­be, die­se Frau geht zum Lachen in den Kel­ler. Wir bekom­men, war­um auch immer, zwei rote Kar­ten.

Island ist, wie Fuer­te­ven­tu­ra auch, eine Vul­kan­in­sel. Doch im Gegen­satz zu Fuer­te­ven­tu­ra, wo alles von der Son­ne „ver­brannt“ ist, ist die­se Insel satt grün, was ein Resul­tat des Regens ist. Wäh­rend­des­sen wir fah­ren, wird auf einem Bild­schirm gezeigt, was man alles auf der Insel machen kann und es wird das Geheim­nis der far­bi­gen Kar­ten gelüf­tet. Wir fah­ren zu einem Bus­bahn­hof und dort stei­gen wir dann in den jewei­li­gen Bus, der mit der ent­spre­chen­den Kar­te an der Wind­schutz­schei­be ver­se­hen ist. Aller­dings ist es die­ses Mal anders. Der Bus­fah­rer sagt durch, dass alle mit gel­ben und roten Kar­ten sit­zen blei­ben und die eine grü­ne oder blaue Kar­te haben, in einen ande­ren Bus stei­gen. Nach­dem alle mit den grü­nen und blau­en Kar­ten aus­ge­stie­gen sind und ihre Kof­fer haben fah­ren wir wei­ter. Nach ca. 10 Minu­ten und ich ent­de­cke auf der rech­ten Sei­te unser Hotel. Unweit vom Hotel hal­ten wir an einem Apart­ment, wo kei­ner aus­steigt. Wir sagen, dass unse­rer Hotel in der Nähe ist, doch wir sol­len sit­zen­blei­ben und fah­ren wei­ter, was über­haupt nicht logisch erscheint. Wir fah­ren kreuz und quer durch Reykja­vik und die Lau­ne sinkt stä­tig. Ich habe das Gefühl, dass die­ser Bus­fah­rer zum ers­ten Mal fährt, aber was möch­te ich auch von jeman­den erwar­ten, der bei Regen mit einer Son­nen­bril­le in den Bus steigt.

Als kaum noch Fahr­gäs­te im Bus sind, kommt der Bus­fah­rer zu uns und fragt wohin wir wol­len. Als ich ihm das Hotel nen­ne, sehe ich Fra­ge­zei­chen in sei­nen Augen. Ich bin genervt und möch­te nur noch ins Hotel, wohin die Fahrt nun auch geht. Zu sei­ner Ent­schul­di­gung sag­te er zu uns, dass es nicht sei­ne übli­che Tour ist. Als hät­te ich es geahnt, lag ich mit mei­ner Ver­mu­tung, dass er zum ers­ten Mal fährt, rich­tig.

Im Hotel erreicht uns die nächs­te Hiobs­bot­schaft. Uns wird erklärt, dass sie eine Kre­dit­kar­ten­num­mer oder 200,- € Kau­ti­on benö­tigt. Was?! Eine Kre­dit­kar­te haben wir nicht und nun feh­len uns 200,- € in der Rei­se­kas­se. Die bekom­men wir zwar beim aus­che­cken wie­der, aber das bringt uns gar nichts, da sie jetzt feh­len! Auf dem Weg zum Zim­mer rege ich mich noch immer über die 200,- € Kau­ti­on auf. Das Zim­mer sieht ganz gut aus. Es ist sau­ber und hell, aber sehr spar­ta­nisch ein­ge­rich­tet. Es gibt kei­nen Schrank, in den wir unse­re Klei­dung legen kön­nen, nur eine Gar­de­ro­be. Auch die Aus­sicht lässt zu wün­schen übrig. Was auch merk­wür­dig ist, ist die Tat­sa­che, dass sich das Wasch­be­cken im Flur befin­det. Im Bad sel­ber befin­det sich nur eine Dusche und eine Toi­let­te. Im Fern­se­hen gibt es nur Sen­der auf Eng­lisch oder Islän­disch bzw. ein Sen­der auf Japa­nisch. Zum Glück wer­den wir die meis­te Zeit unter­wegs sein. Unser Ein­druck vom Hotel­zim­mer ist eher ernüch­ternd.

Hun­ger macht sich bemerk­bar. Wir wer­den erst ein­mal los, um ein Restau­rant oder einen Imbiss zu suchen. Dann wer­den wir auch zei­tig schla­fen gehen, da wir mor­gen früh um 8.30 Uhr an der Bus­sta­ti­on 10 sein müs­sen. Dann bege­ben wir uns auf die „Gol­den Cir­cel Tour“. Hof­fent­lich ist das Wet­ter bes­ser. Kein Regen reicht mir schon aus.

Bei leich­ten Nie­sel­re­gen gehen wir los, um was zu Essen zu fin­den. Die ers­te Piz­ze­ria fin­de ich nicht anspre­chend. Wir gehen wie­der raus, durch den Nie­sel­re­gen und suchen wei­ter. Wir fin­den einen Sub­way, aber lei­der steht kei­ne Beschrei­bung auf Eng­lisch unter der islän­di­schen Beschrei­bung. Es gibt vie­le Imbis­se bzw. Restau­rants, aber die Prei­se sind sehr abschre­ckend. Wir gehen letzt­end­lich in eine Piz­ze­ria und wer­den freund­lich emp­fan­gen. Wir sit­zen noch gar nicht lan­ge und bekom­men eine Karaf­fe mit Was­ser hin­ge­stellt, nur lei­der kei­ne Glä­ser dazu. Wir bestel­len Geträn­ke und Essen, was auch nicht lan­ge auf sich war­ten lässt. Geschmack­lich ist das Essen sehr gut. Inzwi­schen ist es 21.30 Uhr (23.30 Uhr deut­scher Zeit) und es ist noch immer tag­hell. Auf Island gibt es die Beson­der­heit, dass es im Som­mer nachts nicht dun­kel und im Win­ter tags­über nicht wirk­lich hell wird. Das es im Som­mer nicht dun­kel wird, liegt dar­an, dass am Tag der Som­mer­son­nen­wen­de (jeweils dem 20., 21. Oder 22. Juni) die Son­ne ihren Höchst­stand am Hori­zont erreicht. Damit steht sie am ent­fern­tes­ten vom Äqua­tor. Die Son­ne steht dann über den nörd­li­chen Wen­de­kreis, was dazu führt, dass die Son­ne nicht unter­geht.

Reykja­vík und ganz Island lie­gen ein wenig unter dem nörd­li­chen Wen­de­kreis, was zur Fol­ge hat, dass die Son­ne zwar für eine kur­ze Zeit vom Hori­zont ver­schwin­det, aber gleich danach auch wie­der auf­geht. Es bleibt die gan­ze Nacht über hell. Im Win­ter hin­ge­gen steht die Son­ne nicht län­ger als fünf Stun­den am Him­mel, was zur Fol­ge hat, dass es in den Win­ter­mo­na­ten offen­sicht­lich tags­über nicht hell wird. Der Win­ter ist auch die bes­te Rei­se­zeit, um die Nord­lich­ter zu sehen. Von Okto­ber bis März ist die Wahr­schein­lich­keit am höchs­ten, die­ses ein­zig­ar­ti­ge Natur­schau­spiel zu beob­ach­ten.

Wir bezah­len für zwei Piz­zen und drei Geträn­ke 8.420 islän­di­sche Kro­nen, was umge­rech­net 68,- € sind. Täg­lich kön­nen wir nicht essen gehen, sonst wird das Geld nicht rei­chen. Wir bezah­len uns gehen wie­der Rich­tung Hotel. Wenigs­tens reg­net es nicht mehr. Mor­gen müs­sen wir zei­tig auf­ste­hen, da wir heu­te doch nicht mehr duschen gehen. So geht ein lan­ger und anstren­gen­der Tag zu Ende.

16. Juli 2018

Heu­te ist ein beson­de­rer Tag. Nicht nur, dass wir den ers­ten von drei Aus­flü­gen machen, mein Mann hat heu­te auch Geburts­tag. Auf sein Geschenk wird er noch war­ten müs­sen bis wir zu Hau­se sind. Das aber auf eige­nen Wunsch. Er hät­te es auch bereits ges­tern früh haben kön­nen, er hat­te sich aber dafür ent­schie­den zu war­ten bis wir wie­der zu Hau­se sind.

Die Nacht war kurz, aber wir haben gut geschla­fen. Frisch geduscht bege­ben wir uns auf den Weg zum Früh­stück. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt und in aus­rei­chen­den Men­gen. Wir kön­nen uns Zeit las­sen, da wir von der sel­bi­gen noch genü­gend haben, bevor wir zur Bus­sta­ti­on 10 müs­sen. Im Gegen­satz zu ges­tern, kann ich heu­te den Kaf­fee genie­ßen und nicht nur einen. Sogar die Son­ne scheint und laut Wet­ter­b­reicht reg­net es die gan­ze Woche nicht mehr. Nun ist es an der Zeit zur Bus­sta­ti­on zu gehen. Ich bin schon gespannt, was uns heu­te erwar­tet. Die Bil­der im Inter­net sahen zumin­dest viel­ver­spre­chend aus. Wir gehen sie­ges­si­cher in Rich­tung der Bus­sta­tio­nen, wo sich ver­mut­lich besag­te Bus­sta­ti­on 10 befin­det. Doch wir müs­sen fest­stel­len, dass es nicht an dem ist. Etwas rat­los beschlie­ßen wir zum Hotel zurück­zu­ge­hen, um nach­zu­fra­gen, wohin wir müs­sen. Die Weg­be­schrei­bung führt uns dahin, wo wir ges­tern raus­ge­las­sen wur­den, um zum Hotel zu kom­men. Und tat­säch­lich, kaum zu sehen steht an der Sei­te auf einen Schild eine klei­ne wei­ße 10 auf blau­en Unter­grund.

Alle Bus­se, die hal­ten sind nicht die rich­ti­gen Bus­se. Die Zeit ver­geht und lang­sam wer­den wir unge­dul­dig. Nach einer hal­ben Stun­de kommt end­lich ein klei­ner Bus- der rich­ti­ge Bus. Wir stei­gen ein und wer­den zu einem Bus­bahn­hof gefah­ren, wo wir in einen gro­ßen Bus ein­stei­gen, in dem bereits ande­re Tou­ris­ten war­ten. Die Fahrt geht los und das ers­te Ziel ist ein Gewächs­haus für Toma­ten. Die­se Tat­sa­che ist an und für sich unin­ter­es­sant. Was inter­es­sant ist, ist das Bewäs­se­rungs­sys­tem. Dafür wird Was­ser aus den hei­ßen Quel­len genutzt, wel­ches für die Bewäs­se­rung her­un­ter­ge­kühlt wird. Auch wird die in gro­ßen Men­gen vor­lie­gen­de geo­ther­ma­le Ener­gie genutzt, um die Tem­pe­ra­tu­ren in den Gewächs­häu­sern wäh­rend des gesam­ten Jah­res kon­stant zu hal­ten. Nach kur­zem Auf­ent­halt geht die Fahrt wei­ter zum ein­zig akti­ven Gey­sir, der alle 4 bis 10 Minu­ten eine Was­ser­fon­tä­ne in die Luft stei­gen lässt. Auf dem Weg bekom­men wir vie­le Infor­ma­tio­nen zur Insel, den Bewoh­nern, der Tier- und Pflan­zen­welt.

Die Insel hat eine Grö­ße von 103.000 km² und es leben hier ca. 330.000 Men­schen. Die meis­ten davon, mehr als 60 %, leben in Reykja­vik. Dahin­ter fol­gen Kópa­vogur mit 32.000, Haf­narf­jör­dur mit 27.000 und Aku­rey­ri mit 18.000 Ein­woh­nern. Für ein Land die­ser Grö­ße sind es ziem­lich wenig Men­schen. Und so gibt es mehr Scha­fe (460.000) und Papa­gei­tau­cher (4 Mil­lio­nen) als Ein­woh­ner.

Island­pfer­de sind die ältes­te Rein­zucht der Welt. Ein­mal aus dem Land aus­ge­führt, dür­fen die Pfer­de nicht mehr zurück, da die­se mög­li­cher­wei­se Krank­hei­ten mit auf die Insel brin­gen wür­den. Seit über 1000 Jah­ren wur­den die Pfer­de mit kei­ner ande­ren Ras­se gekreuzt und das soll auch so blei­ben. Neben den klas­si­schen drei Gang­ar­ten Schritt, Trab und Galopp beherr­schen die Island­po­nys auch zusätz­lich noch Tölt und Pass, was die­se Pfer­de aus­zeich­net.

Als ers­ter nor­di­scher Ent­de­cker Islands gilt bis heu­te der nor­we­gi­sche Wikin­ger Nad­dod­dur, der in der Mit­te des neun­ten Jahr­hun­derts eher zufäl­lig bei einer Fahrt zu den Färö­er vom Kurs abkam und in nord­west­li­che Rich­tung segel­te. Nad­dod­dur erreich­te ein ihm völ­lig unbe­kann­tes Land, das er eine Zeit­lang den Süd­os­ten Islands erkun­de­te und anschlie­ßend wie­der in See stach. Um etwa 870 erreicht der aus Nor­we­gen ver­trie­be­ne Stam­mes­füh­rer Ingól­fur Arna­son mit sei­nem Gefol­ge den Süd­wes­ten Islands. Ingól­fur warf sei­ne Hoch­sitz­pfei­ler von Bord. Dort wo sie ange­spült wer­den wür­den, wür­de er eine Sied­lung errich­ten. Durch den auf­stei­gen­den Rauch aus den ther­ma­len Quel­len, nann­te er die Sied­lung „Reykja­vík“, was so viel wie Rauch­bucht bedeu­tet.

Als wir bei dem Gey­sir ankom­men wer­den wir dar­über infor­miert, zu wel­cher Zeit der Bus wei­ter­fährt. Dann kön­nen wir allei­ne los, um die Gegend zu erkun­den. Der ers­te Weg führt uns selbst­ver­ständ­lich zum Gey­sir. Auf den Weg sehen wir lau­ter klei­ne­re bro­deln­de Gey­si­re, die aber nicht mehr aktiv sind. Es sieht mys­tisch aus, wie der Qualm aus der Erde steigt und die Gey­si­re vor sich hin bro­deln. Gespannt ste­hen wir und war­ten dar­auf, dass Was­ser in die Luft spritzt. Nur für weni­ge Sekun­den ist die Fon­tä­ne zu sehen, doch die Bil­der sind ganz gut gewor­den. Im Bus wur­de uns von der Rei­se­lei­te­rin vor­her noch emp­foh­len, dar­auf zu ach­ten, woher der Wind kommt, so dass wir nicht vom Was­ser getrof­fen wer­den, da die­ses noch sehr heiß sein kann. Was nicht so ange­nehm ist, ist der Schwe­fel­ge­ruch.

Wir haben eini­ge Bil­der vom Gey­sir und der Umge­bung gemacht und gehen wie­der Rich­tung Park­platz. Dort befin­det sich auch ein gro­ßes Gebäu­de, in dem sich drei ver­schie­de­ne Restau­rants, ein Sou­ve­nir­shop und ein klei­ner Super­markt befin­det. Im Super­markt kau­fen wir uns Was­ser, sehen uns im Sou­ve­nir­shop um und gehen wie­der raus. Auf einer Bank sit­zend genie­ßen wir die Son­ne. Das Wet­ter ist groß­ar­tig, auch wenn es nicht so warm wie zu Hau­se ist. Und das Bes­te ist, dass es kei­ne Anzei­chen für Regen gibt. Ich mer­ke, wie lang­sam die Last der ver­gan­ge­nen Wochen all­mäh­lig von mir fällt. Das war auch mein größ­ter Wunsch, Abstand gewin­nen und zur Ruhe kom­men. Wir stei­gen wie­der in den Bus ein und fah­ren zum „Gull­foss“, ein Was­ser­fall, der über zwei Stu­fen mit einer Höhe von 11 und 21 Metern fällt. Im Bus wer­den wir dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass wir ent­we­der 117 Stu­fen nach unten gehen kön­nen oder von oben von der Platt­form aus den Was­ser­fall betrach­ten kön­nen. Wir beschlie­ßen sowohl die Trep­pen run­ter als auch zur Platt­form zu gehen. Der Was­ser­fall ist sehr bein­dru­ckend- zu sehen wie die gewal­ti­gen Was­ser­mas­sen dort her­un­ter­rau­schen. Auch die Land­schaft, die sich um den Was­ser­fall her­um befin­det ver­zau­bert uns und lässt nicht ver­mu­ten, dass die Insel aus Vul­kan­ge­stein besteht. Über­all ist es grün, Island­po­nys und Scha­fe ste­hen auf den Wie­sen, Flüs­se bah­nen sich ihren Weg und es sind kaum Häu­ser zu sehen.

Das letz­tes Ziel wird heu­te der Natio­nal­park sein, bevor wir wie­der zurück in die Hotels gefah­ren wer­den. Hier kön­ne wir uns aus­su­chen, ob wir unten aus­stei­gen und hoch­ge­hen, wo dann der Bus auf uns war­tet oder ob wir mit dem Bus nach oben fah­ren und die Pan­ora­ma­an­sicht betrach­ten. Der Fuß­marsch soll ca. 20 Minu­ten dau­ern und das letz­te Stück soll rela­tiv steil sein. Irgend­wie habe ich nicht so wirk­lich Lust von unten nach oben zu gehen, stei­ge aber den­noch aus. Wir gehen los und ich muss mir ein­ge­ste­hen, dass es die rich­ti­ge Ent­schei­dung war. Die Aus­sicht beim hoch­ge­hen ist ein­fach atem­be­rau­bend. Wir kön­nen sogar den Riss sehen, der dadurch ent­steht, da Island auf zwei Kon­ti­nen­tal­plat­ten liegt, die eura­si­sche und die nord­ame­ri­ka­ni­sche Plat­te. Die bei­den Plat­ten bewe­gen sich pro Jahr 2 cm aus­ein­an­der. Nach­dem alle, die von unten nach oben gegan­gen sind, den Bus erreicht haben, fah­ren wir wie­der Rich­tung Reykja­vik. Nach und nach wer­den die Hotels ange­fah­ren. Bevor wir wie­der in das Hotel gehen, wol­len wir noch in einen Super­markt, um eine Klei­nig­keit zum Essen zu kau­fen. Den ers­ten Super­markt, der sich unweit vom Hotel befin­det, ver­las­sen wir wie­der, ohne was zu kau­fen. Die Prei­se für Essen, Trin­ken, Kle­indung usw. unter­schei­det sich auch sehr von den Rei­se­zie­len, wo wir schon Urlaub gemacht hat­ten- sie sind extrem hoch. Wir gehen wei­ter und fin­den einen Dis­count-Super­markt. Für zwei Sand­wi­ches, einen Tüte Erd­nüs­se und einen Scho­ko­rie­gel bezah­len wir umge­rech­net 15,- €, was nicht gera­de güns­tig ist. Die Prei­se sind so hoch, da fast alles, was die Men­schen auf Island benö­ti­gen impor­tiert wer­den muss. Wir gehen zurück in das Hotel und essen unse­re Sand­wi­ches, die erstaun­lich gut schme­cken. Da wir heu­te viel unter­wegs waren, wer­den wir heu­te nicht mehr raus­ge­hen. Müs­sen wir auch nicht. Wir haben noch eini­ge Tage und Tou­ren vor uns und wer­den so eini­ges von Island zu sehen bekom­men. Wir las­sen den Tag im Hotel aus­klin­gen.

 17. Juli 2018

Der heu­ti­ge Tag steht uns zur frei­en Ver­fü­gung. Doch bevor wie­der über­le­gen, was wir heu­te machen, gehen wir erst ein­mal gemüt­lich früh­stü­cken.

Das Wet­ter sieht viel­ver­spre­chend aus. Der Him­mel ist blau und die Son­ne scheint auch heu­te. Zurück im Zim­mer sehen wir auf den Stadt­plan, wel­chen der Rei­se­ver­an­stal­ter mit den Rei­se­un­ter­la­gen mit­ge­schickt hat­te. Wir ent­schei­den uns dafür ein­fach los­zu­ge­hen. Gezielt Sehens­wür­dig­kei­ten auf­su­chen brau­chen wir nicht, da wir mor­gen eine Stadt­rund­fahrt machen wer­den, bei der die High­lights von Reykja­vik ange­fah­ren wer­den.

Ohne ein bestimm­tes Zeil gehen wir los. Die Son­ne scheint und es ist mit 12 Grad für islän­di­sche Ver­hält­nis­se rela­tiv warm. Unter­wegs gehen wir in ver­schie­de­ne Sou­ve­nir­lä­den. Außer Ansichts­kar­ten kau­fen wir nichts. Wir gehen wei­ter Rich­tung Hafen. Ich mache ein paar Bil­der und wir gehen ziel­los wei­ter. Gele­gent­lich set­zen wir uns auf eine Bank. Reykja­vik sel­ber ist eher unschein­bar und schlicht gehal­ten. Die Stadt sieht ver­lebt aus und erin­nert nicht an einen Tou­ris­ten­ma­gnet. Obgleich es auch schö­ne Gebäu­de gibt, wie z.B. ver­schie­de­ne Kir­chen, das Rat­haus und die Kon­zert- und Kon­gress­hal­le. Wir könn­ten uns auch in den Plat­ten­bau­ten von Ber­lin Kreuz­berg befin­den. Ich glau­be nicht, dass die Tou­ris­ten wegen der „Schön­heit“ der Haupt­stadt her­kom­men. Viel eher für die unsag­bar schö­ne Natur und ihre Kunst zu ver­zau­bern. Das Aus­se­hen von Reykja­vik ist auch eher zweit­ran­gig. Viel­mehr geht es dar­um abzu­schal­ten, neue Kraft zu tan­ken und auf ande­re Gedan­ken zu kom­men. Die letz­ten Mona­te waren zu Hau­se sehr kräf­te­zeh­rend und mich über­kam das Gefühl von völ­li­ger Erschöp­fung. Es ist schon irgend­wie merk­wür­dig, gera­de so, als hät­te sich das Schick­sal ein­ge­mischt. Ursprüng­lich waren die Azo­ren unser Ziel. Da es aber, wie ein­ge­hend erwähnt kei­ne Direkt­flü­ge gibt uns wir nicht irgend­wo für sechs Stun­den zwi­schen­lan­den woll­ten, haben wir uns kurz­fris­tig ument­schie­den und unse­re Wahl fiel auf Island. Eine Insel, die, ohne es genau­er erklä­ren zu kön­nen, Ruhe aus­strahlt, ver­zau­bert und uns hof­fent­lich wie­der ins Gleich­ge­wicht kom­men lässt. Es ist ein unbe­schreib­lich schö­nes Gefühl, wenn wir mit dem Bus die ver­schie­de­nen Tou­ren fah­ren und es unter­wegs fast aus­schließ­lich nur Natur zu sehen gibt. Dabei kann ich ein­fach mei­ne Gedan­ken schwei­fen las­sen, um hof­fent­lich neu anfan­gen zu kön­nen, wenn wir zurück sind. Denn das Leben geht ein­fach wei­ter, ganz gleich was pas­siert und wel­che Schick­sals­schlä­ge uns erei­len. Neu­an­fang bedeu­tet bei uns, dass wir all die Trau­er hin­ter uns las­sen und wie­der nach vor­ne sehen kön­nen, auch wenn es nicht ein­fach ist und sei­ne Zeit benö­tigt. Hier, auf Island, erscheint es mir sehr gut mög­lich die Ener­gie­re­ser­ven wie­der auf­zu­la­den.

Immer wie­der machen wir eine Pau­se und dabei Bil­der. Zeit ist heu­te rela­tiv. Es ist egal wie lan­ge wir brau­chen, wel­che Rich­tung wir gehen und wann wir zurück sind.

Unter­wegs, genau­er gesagt befin­den wir uns gera­de auf dem Rück­weg zum Hotel, fin­den wir einen Imbiss mit erschwing­li­chen Prei­sen. Die­sen wer­den wir ver­mut­lich am letz­ten Abend auf der Insel besu­chen. Lang­sam machen sich die Bei­ne bemerk­bar, doch zum Glück ist das Hotel nicht mehr weit ent­fernt. Im Zim­mer ange­kom­men heißt es, Bei­ne hoch und aus­ru­hen. Ob wir heu­te noch ein­mal raus­ge­hen, weiß ich nicht. Viel­leicht um uns wie­der Sand­wi­ches zu holen. Und wenn nicht, dann blei­ben wir ein­fach lie­gen. Mor­gen wird uns wie­der ein reich­hal­ti­ges Früh­stück erwar­ten.

Wir ent­schei­den uns doch noch ein­mal raus­zu­ge­hen. Nicht um uns etwas zum essen zu kau­fen, wir wol­len ledig­lich die Post­kar­ten ein­wer­fen. Wie so oft und üblich ist kein Post­kas­ten zu sehen, wenn einer benö­tigt wird. Als wir Sonn­tag Essen waren, hat­te ich einen Post­kas­ten gegen­über der Piz­ze­ria gese­hen. Die Post­kar­ten sind ein­ge­wor­fen. Auf dem Weg zum und vom Post­kas­ten zurück haben wir den Ein­druck, dass beson­ders vie­le Men­schen unter­wegs sind, mehr als die letz­ten bei­de Tage und heu­te Vor­mit­tag. Zurück im Hotel las­sen wir den Tag ganz ent­spannt zu Ende gehen.

18. Juli 2018

Heu­te wer­den wir bei einer Stadt­rund­fahrt die wert­volls­ten Sehens­wür­dig­kei­ten von Reykja­vik zu sehen bekom­men. Glück­li­cher­wei­se geht es erst um 13.00 Uhr los. Es ist also kei­ne Eile gebo­ten und wir kön­nen ganz ent­spannt in den Tag star­ten, der mit einer aus­gie­bi­gen Dusche beginnt und mit einem reich­hal­ti­gen Früh­stück wei­ter­geht.

Der Him­mel ist bedeckt. Die Son­ne wer­den wir ver­mut­lich den gan­zen Tag nicht sehen. Wenigs­tens reg­net es nicht. Noch nicht?! So ent­spannt wie wir in den Tag gestar­tet sind, geht es auch wei­ter. Um 12.30 Uhr müs­sen wir erst an der Bus­sta­ti­on 10 sein. Bis dahin machen wir ein­fach mal gar nichts.

Es ist 12.15 Uhr und es ist an der Zeit uns fer­tig zu machen und zur Hal­te­stel­le zu gehen. Wir ste­hen noch gar nicht lan­ge und schon kommt ein klei­ner Bus, der uns wie­der zum Bus­bahn­hof bringt, wo wir wie­der in einen gro­ßen Bus umstei­gen. Die­ses Mal ist unse­re Rei­se­lei­te­rin eine älte­re Frau, wel­che uns bei der Stadt­rund­fahrt beglei­tet.  Lei­der ist ihr Eng­lisch schlecht zu ver­ste­hen und ihr deutsch ist noch unver­ständ­li­cher, was das zuhö­ren schwer macht. Teil­wei­se spricht sie Deutsch und Eng­lisch gemischt. Wäh­rend der Fahrt bekom­men wir geschicht­li­che und poli­ti­sche Infor­ma­tio­nen über Island. Da ihr Deutsch mehr schlecht als recht ist, kann ich dazu auch nicht so viel schrei­ben. Auf Island gibt es fast kei­ne Men­schen, die kei­ne Arbeit haben. Es sind gera­de ein­mal 2,8 % ohne Arbeit. Auf der Insel befin­den sich drei Uni­ver­si­tä­ten. Eine Kunst­aka­de­mie, die Uni­ver­si­tät Reykja­vik und die Uni­ver­si­tät Island. Wenn jemand Medi­zin stu­diert, muss er auch ein Teil des Stu­di­ums im Aus­land ver­brin­gen. War­um habe ich akus­tisch nicht ver­stan­den.

Das die Wikin­ger Island ent­deckt und die Island­po­nys auf die Insel gebracht hat­ten, wis­sen wir bereits von der der ers­ten Tour, der Gol­den Cir­cle Tour.

Unser ers­ter Halt ist bei einem Leucht­turm. Wir haben 10 Minu­ten Zeit um Fotos zu machen. Was es mit die­sem Leucht­turm auf sich hat, habe ich nicht ver­stan­den. Spä­ter habe ich mich bele­sen und her­aus­ge­fun­den, dass die­ser Leucht­turm, der „Grót­ta“ heißt, ein belieb­tes Aus­flugs­ziel ist. Hier ist ein idea­ler Platz, um in den Win­ter­mo­na­ten nach Nord­lich­tern Aus­schau zu hal­ten.

Unse­re Fahrt geht wei­ter zum Hafen. Wir stei­gen nicht aus, son­dern fah­ren nur ein­mal rum. Das ist auch gar nicht schlimm, da wir ges­tern bereits am Hafen waren.

Die Hall­grims­kir­che ist ein beein­dru­cken­des Gebäu­de, von außen wie von innen. Die Bau­ar­bei­ten began­nen 1945 und die­se Kir­che ist mit ihren 73 Meter hohen Turm lan­ge das höchs­te Gebäu­de des Lan­des. Die Orgel besteht aus 5.275 Orgel­pfei­fen und sieht sehr ein­drucks­voll aus. Namens­ge­ber der Kir­che war der Poet und Geist­li­che Hall­gri­mur Pétur­s­son. Die­se Kir­che wir auch für Aus­stel­lun­gen und Kon­zer­te genutzt. Wir fah­ren noch ver­schie­de­ne Orte an, wie z.B. ein Wikin­ger­dorf und das Haus, in dem der Präsident von Island wohnt. Wir bekom­men auch zu erfah­ren, dass die Kin­der lan­ge bei ihren Eltern woh­nen, da die Woh­nun­gen und das Leben im All­ge­mei­nen auf Island sehr teu­er ist. Die Islän­der lie­ben das Schwim­men und Rei­ten und es gibt hier Gebie­te, in denen der Sage nach Elfen und Trol­le leben sol­len. Ich habe, als wir an solch einem Gebiet vor­bei­ge­fah­ren sind, kei­ne Elfe gese­hen. Aller­dings habe ich auch auf der ande­ren Sei­te vom Bus geses­sen. Eines der letz­ten Sehens­wür­dig­keit, an der wir vor­bei­fah­ren ist „Lau­gard­alur“, ein Park und Bota­ni­scher Gar­ten der Stadt. Ver­schie­de­ne Sport­ein­rich­tun­gen, z.B. ein Fuß­ball­sta­di­on, eine Sport- und Ver­an­stal­tungs­hal­le und ein Schwimm­bad befin­den sich ver­teilt um die­sen Park. Im Som­mer kom­men ger­ne Fami­li­en in den Park, da es hier auch einen Strei­chel­zoo gibt oder um ein­fach ein Pick­nick zu machen. Das Herz von „Lau­gard­alur“ ist der Bota­ni­sche Gar­ten, in dem es ein­hei­mi­sche und impor­tier­te Pflan­zen gezeigt wer­den.

Inzwi­schen sind wir fast 3 Stun­den unter­wegs und die Rund­fahrt durch Reykja­vik neigt sich dem Ende zu. Das wir die meis­te Zeit im Bus ver­bracht haben, ist ange­sichts der 11 Grad und dem küh­len Wind nicht wei­ter tra­gisch, eher im Gegen­teil. Unter­wegs wur­de uns auch etwas auf Islän­disch vor­ge­sun­gen, wor­auf ich lie­bend gern ver­zich­tet hät­te.

Die Tour ist zu Ende und wir stei­gen wie­der an der Bus­sta­ti­on 10 aus. Ich stel­le ernüch­ternd fest, dass ich mir mehr von der Bus­rund­fahrt ver­spro­chen hat­te. Wir gehen in einen klei­nen Super­markt, der sich in der Nähe des Hotels befin­det, wel­chen wir wie­der, ohne was zu kau­fen, ver­las­sen. Der nächs­te Weg führt uns fürs ers­te in das Hotel. Viel­leicht gehen wir spä­ter noch ein­mal in den Super­markt, in den wir die Sand­wi­ches gekauft hat­ten. Kön­nen wir uns dazu nicht mehr moti­vie­ren, wer­den wir den Tag ganz ent­spannt im Hotel aus­klin­gen las­sen und uns mor­gen früh wie­der beim Früh­stück wie­der stär­ken.

19. Juli 2018

Wir brauch­ten ges­tern nicht lan­ge, um zu beschlie­ßen, dass wir nicht mehr los­ge­hen. Das war auch eine sehr gute Ent­schei­dung, da ich, als ich gegen 19.00 Uhr aus dem Fens­ter sah, mit­be­kom­men hat­te, dass es reg­ne­te.

Der heu­ti­ge Tag steht uns zur frei­en Ver­fü­gung. Der Him­mel ist bedeckt, aber zeit­wei­lig zeigt sich auch die Son­ne. Nach dem Früh­stück machen wir uns auf dem Weg zur „Per­lan“. Das ist eine Aus­sichts­platt­form, von der man eine groß­ar­ti­ge Aus­sicht über Reykja­vik haben soll. Unser Weg führt uns kreuz und quer durch die Stadt, immer Rich­tung „Per­lan“. Lang­sam ver­schwin­den die Wol­ken, so dass die Son­ne ihre vol­le Kraft ent­fal­ten kann. Unter­wegs zie­he ich sogar die Jacke aus, da es warm genug ist, um im Pull­over wei­ter­zu­ge­hen. Wir durch­que­ren einen schön ange­leg­ten und gepfleg­ten Park. Mit­ten in der Stadt und den­noch ist es sehr ruhig.

Als wir bei der Aus­sichts­platt­form ankom­men, haben wir bereits eine wun­der­vol­le Aus­sicht über Reykja­vik. Um auf die Platt­form zu gelan­gen, sol­len wir pro Per­son 500 ISK zah­len. Ich bin der Mei­nung, dass wir uns das Geld auch spa­ren und an ande­rer Stel­le aus­ge­ben kön­nen. Die Aus­sicht, wel­che wir vor der Platt­form haben, reicht voll­kom­men aus. Ich mache ein paar Bil­der und wir ent­fer­nen und wie­der von der Aus­sichts­platt­form.  Auf einer Bank sit­zend genie­ßen wir die Aus­sicht und die Son­ne, die hier nicht oft zu schei­nen ver­mag, und ich las­se dabei mei­ne Gedan­ken schwei­fen.

Als wir wie­der auf­ste­hen und wei­ter­ge­hen, ent­schlie­ßen wir, dass wir zum Shop­ping-Cen­ter gehen. Dort ange­kom­men, haben wir Mühe den Ein­gang zu fin­den.

Im Shop­ping-Cen­ter fällt mir auf, dass ich die meis­ten Geschäf­te vom Namen her gar nicht ken­ne, außer H & M und ich bemer­ke, dass es kein Elek­tro­fach­ge­schäft gibt. Wir gehen durch jede Eta­ge, ohne was zu kau­fen und nach­dem wir alle Eta­gen durch sind, steigt mir Kaf­fee­duft in die Nase. Wir holen uns Kaf­fee und set­zen uns damit an einen Tisch. Anschlie­ßend gehen wir in den Dis­coun­ter „Bonus“, um uns eine Klei­nig­keit zum Essen zu kau­fen. Nach­dem wir das erle­digt haben, gehen wir wie­der Rich­tung Hotel. Die Außen­tem­pe­ra­tur hat ihren durch­schnitt­li­chen Höchst­wert, der auf Island 15 Grad beträgt, fast erreicht. Auf einer Anzei­ge ist zu sehen, dass es 14,5 Grad sind. An und für sich ganz ange­nehm, wenn der zeit­wei­se doch recht fri­sche Wind nicht wäre. Für mor­gen wur­de Regen ange­sagt, was scha­de wäre, da wir mor­gen eine Tour zur Süd­küs­te machen, die 10 Stun­den dau­ert. Dabei wer­den wir zwei wei­te­re Was­ser­fäl­le, einen Glet­scher, die Küs­te mit ihren Fel­sen­for­ma­tio­nen und einen schwar­zen Strand zu sehen bekom­men.

Zurück im Hotel ver­rät mir ein Blick auf mei­nem Han­dy, dass wir 12 km gelau­fen sind. Das soll­te für heu­te auch rei­chen. Mor­gen haben wir einen lan­gen Tag vor uns. Somit wer­den wir uns für den Rest des Tages nicht mehr aus dem Zim­mer weg­be­we­gen.

20. Juli 2018

Ich bin bereits vor dem Wecker wach. So schön Island auch ist, doch das es nachts nicht dun­kel wird, erschwert das ein­schla­fen ein wei­nig. Und das ist nicht nur mein Ein­druck. Beim Früh­stück vor 4 Tagen, hat­te ich mit­be­kom­men, wie sich zwei am Nach­bar­tisch unter­hal­ten hat­ten, die auch Pro­ble­me mit dem Schlaf, auf­grund der feh­len­den Dun­kel­heit, haben.

Es ist 6.00 Uhr und der Wecker klin­gelt. Somit ist es an der Zeit auf­zu­ste­hen. Wir müs­sen um 8.30 Uhr abhol­be­reit an der Bus­sta­ti­on 10 ste­hen. Ich hof­fe, dass ich beim Duschen fit wer­de und auch der Kaf­fee spä­ter beim Früh­stück sei­nen Teil dazu beträgt. Es ist wie­der bewölkt. Hof­fent­lich bleibt es so und beginnt nicht doch noch zu reg­nen. Die­se Hoff­nung wird auf dem Weg zur Hal­te­stel­le zer­stört- es reg­net. Zwar nicht stark, aber es reicht aus, um mei­ne Freu­de zu drü­cken. Wir blei­ben fürs ers­te unter einem Dach, schräg gegen­über der Hal­te­stel­le, ste­hen, so dass wir nicht gleich durch­nässt in den Bus stei­gen. Es dau­ert gar nicht lan­ge, bis der ers­te klei­ne Bus kommt. Wir wech­seln die Stra­ßen­sei­te und müs­sen fest­stel­len, dass es der fal­sche Bus ist. Nach und nach kommt ein Bus nach dem ande­ren. Zur unse­rer Über­ra­schung stei­gen wir die­ses Mal in einen gro­ßen Bus. Den­noch wer­den wir zum Bus­bahn­hof gefah­ren und müs­sen dort umstei­gen, da die­ser Bus auch ande­re Tou­ris­ten für ande­re Tou­ren mit­ge­nom­men hat. Beim Umstei­gen, sehe ich, dass die Rei­se­lei­te­rin von der ers­ten Tour mit uns fährt. Die­se Tat­sa­che freut mich, da sie sehr gut deutsch spricht. Nach­dem alle sit­zen fah­ren wir los. Die heu­ti­ge Tour wird 10 Stun­den dau­ern, wovon wir aber die meis­te Zeit fah­rend ver­brin­gen wer­den. Der ers­te Halt ist, nach ca. einer Stun­de, nur ein Zwi­schen­stopp, um kurz eine Pau­se zu machen. Das ers­te Ziel der heu­ti­gen Tour wird die Glet­scher­zun­ge im Süden der Insel sein. Noch immer reg­net es, was aber nur fei­ner Nie­sel­re­gen ist. Auf dem Weg zur Glet­scher­zun­ge, wer­den wir dazu ange­hal­ten, nur bis zu dem Schild zu gehen, da wir dahin­ter leicht weg­rut­schen kön­nen.

Wir errei­chen den Park­platz, stei­gen alle aus und gehen Rich­tung Glet­scher­zun­ge. Auf hal­ben weg hört der Nie­sel­re­gen auf. Die Aus­sicht ist wun­der­bar und der Nebel (es könn­ten aber auch Wol­ken sein), wel­cher sich um die Ber­ge legt, hat etwas Mys­ti­sches.

Die Glet­scher­zun­ge kommt vom Hvan­n­a­dalsh­nú­kur, dem höchs­ten Berg Islands, her­un­ter. Je nach Licht­ein­fall zeigt sich das Eis in den unter­schied­lichs­ten Far­ben. Die dunk­len Schich­ten im Eis stam­men von Vul­kan­aus­brü­chen, von denen es eini­ge gab. Die Eis­land­schaft ver­än­dert sich stän­dig, denn der Glet­scher ist immer in Bewe­gung, wobei sich die Eis­mas­sen bis zu einem Meter pro Tag bewe­gen kön­nen.

Wir machen Bil­der und bege­ben uns wie­der auf dem Rück­weg zum Bus. Das nächs­te Ziel ist „The black Beach“. Der Grund, wes­halb der Sand schwarz ist, liegt in der Ero­si­on von vul­ka­ni­schem Gestein, des­sen schwar­ze Far­be durch das Abküh­len der Lava ent­stand, die beim Aus­här­ten schwarz wird. Neben der Far­be des Stran­des sind vor allem die Fels­for­ma­tio­nen aus Basalt und eine Höh­le, direkt am Strand, das High­light des Black Beaches.

Es ist stark bewölkt und win­dig, aber glück­li­cher­wei­se tro­cken, was auf Island viel wert ist.  Die Land­schaft, wel­che sich uns hier zeigt, ist über­wäl­ti­gend schön und lässt sich kaum in Bil­dern ein­fan­gen, so wie alles, was ich bis­her foto­gra­fiert habe. Nach eini­ger Zeit fin­den sich alle wie­der im Bus ein und wir fah­ren wei­ter nach Vik, einem klei­nen Dorf, in dem wir an einer Rast­stät­te unse­re Mit­tags­pau­se machen. Dort gibt es drei Restau­rants und einen Super­markt. Da wir aus­rei­chend gefrüh­stückt haben, las­sen wir da Mit­tag­essen aus. Statt­des­sen gehen wir durch den Super­markt und einem Geschäft, in dem es Klei­dung und Sou­ve­nirs gibt. Inzwi­schen hat es wie­der ange­fan­gen zu reg­nen. Nach 45 Minu­ten geht es wei­ter zum ers­ten der bei­den Was­ser­fäl­le, die wir uns heu­te anse­hen wer­den- dem „Skó­ga­foss“. Unter­wegs wer­den wie dar­über infor­miert, dass das Leben auf Island sehr teu­er ist und es einer allei­ne kaum bewäl­ti­gen kann und wenn dann nur mit zwei Jobs. Die Islän­der gehen auch kaum in Restau­rants, da es zu kos­ten­in­ten­siv ist.

Als wir beim „Skó­ga­foss“ ankom­men reg­net es noch immer, was eigent­lich auch neben­säch­lich ist, da wir ohne­hin nass wer­den, wenn wir zum Was­ser­fall gehen. Schnel­len Schrit­tes bewe­gen wir uns zum Was­ser­fall, um ein paar Fotos zu machen, was nicht so ein­fach ist, da immer wie­der Men­schen durch das Bild lau­fen. Der „Skó­ga­foss“ ist das Wahr­zei­chen des Ortes Skó­gar im Süden Islands. Er stürzt auf 25 Metern Brei­te ca. 63 Meter über die Klip­pen in die Tie­fe. Der Was­ser­fall befin­det sich Fuß des Vul­kans „Eyjaf­ja­l­la­jö­kull“, der seit sei­nem Aus­bruch im Jahr 2010 bekannt ist. Auch hier ist die Land­schaft unbe­schreib­lich schön. Ich kann mich kaum satt sehen. Aller­dings durch­weich so lang­sam die Klei­dung vom Regen und dem Was­ser­fall. So schnel­le wie wir zum Was­ser­fall gegan­gen sind, gehen wir wie­der zurück zum Bus. Durch­nässt, aber mit schö­nen Bil­dern stei­gen wir wie­der im Bus ein, der uns dann zum zwei­ten Was­ser­fall, dem „Sel­ja­lands­foss“, und damit letz­ten Halt bringt. Unter­wegs erfah­ren wir eini­ges um die sagen­um­wo­be­nen Elfen und Trol­le. Vie­le Sagen und Geschich­ten wer­den in Island von Genera­ti­on zu Genera­ti­on über Elfen und Trol­le wei­ter­ge­ge­ben.  Die Elfen wer­den auch die als die Natur­geis­ter Islands bezeich­net. Die­se kön­nen mit ihren gehei­men Völ­kern, Hul­dufólk, z.B. in Stein­for­ma­tio­nen leben, die noch heu­te exis­tie­ren. Nicht sel­ten kommt es vor, dass Stra­ßen­bau­plä­ne geän­dert wer­den, um die Elfen nicht zu stö­ren. Natur­schutz und der Glau­be an die­se Wesen gehen hier oft Hand in Hand. Rund 60 Pro­zent der Ein­woh­ner sind fest von der Exis­tenz der Wesen über­zeugt. Die Trol­le leben in den Hoch­ebe­nen der Insel. Sie kom­men nur im Dun­keln her­aus und müs­sen sich bei Son­nen­auf­gang wie­der zurück­zie­hen. Wenn sie sich zu weit aus ihrer Hei­mat in den Ber­gen und Höhen wagen, kann es pas­sie­ren, dass sie durch das Son­nen­licht ver­stei­nert wer­den. Wer genau hin­sieht, kann in der ein oder ande­ren Gesteins­for­ma­ti­on Trol­le erken­nen. Auch beim letz­ten Halt der heu­ti­gen Tour reg­net es noch immer. Wir zie­hen unse­ren durch­näss­ten Jacken an und gehen wie­der schnel­len Schrit­tes Rich­tung Was­ser­fall. Der „Sel­ja­lands­foss“ ist im Ver­gleich zu den ande­ren Was­ser­fäl­len eher klein. Es ist auch kein Was­ser­fall, bei dem man die urwüch­si­ge Gewalt rie­si­ger Was­ser­men­gen spürt, wie z.B. beim „Gull­foss“. Doch er hat eine Beson­der­heit, die kein ande­rer Was­ser­fall auf die­ser Insel hat, man kann auch hin­ter dem Was­ser­fall gehen und sehen, wie das Was­ser aus ca. 65 Metern an der Abbruch­kan­te einer lan­gen Fels­wand hin­ab­rauscht, bevor es in den „Mark­ar­fljót“ und wei­ter in das Meer fließt.

Selbst­ver­ständ­lich ste­hen und gehen auch hier immer wie­der Men­schen durch das Bild. Ich las­se mei­nen Unmut drü­ber etwas lau­ter frei­en Lauf. Eine Frau hört das und bleibt wie ange­wur­zelt ste­hen und ich kann end­lich Bil­der machen.

Zurück im Bus sind wir kom­plett durch­nässt. Die Rück­fahrt dau­ert zwei Stun­den. Mir ist kalt, mei­nen Klei­dung ist kom­plett durch­nässt und mei­ne Füße füh­len sich wie Eis­klum­pen an. Ich beschlie­ße duschen zu gehen, sobald wir wie­der zurück im Hotel sind. Von der Hei­zung, die vor­hin noch an war, ist nichts mehr zu mer­ken. In Reykja­vik ange­kom­men hört der Regen auf.

Als wir in unser Zim­mer kom­men, dre­he ich als ers­tes die Hei­zung auf und zie­he mir schnell etwas Tro­cke­nes an. Mei­ne Schu­he stel­le ich unter die Hei­zung, mei­ne Tasche davor und mei­ne Jacke fal­te ich so, dass sie auf die schma­le Hei­zung passt. Das Zim­mer wer­den wir heu­te nicht mehr ver­las­sen. In den nächs­ten Tagen, soll laut Wet­ter­b­reicht, das Wet­ter unbe­stän­dig blei­ben. Eigent­lich wol­len wir mor­gen in den Bota­ni­schen Gar­ten und abends noch ein­mal Essen gehen, bevor wir Sonn­tag zum Flug­ha­fen gefah­ren wer­den, um wie­der nach Hau­se zu flie­gen. Wir wer­den mor­gen spon­tan ent­schei­den, wie der Tag ver­läuft. Doch nun heißt es schön warm duschen.

21. Juli 2018

Auch heu­te bin ich bereits vor dem Wecker wach. Als die­ser klin­gelt, mache ich die­sen aus. Noch ein biss­chen lie­gen blei­ben, den­ke ich, und schla­fe wie­der ein. Kurz vor 7.00 Uhr wer­de ich wie­der wach und schlep­pe noch müde ins Bad unter die Dusche. Auf den Weg dort­hin ver­rät mir ein Blick aus dem Fens­ter, dass das Wet­ter auch heu­te durch­wach­sen sein wird. Es ist bewölkt und nie­selt.

Wir gehen zum Früh­stück und da für heu­te kein Aus­flug geplant ist, las­sen wir uns Zeit. Zurück im Zim­mer, muss ich mir ein­ge­ste­hen, dass ich kei­ne gro­ße Lust habe raus­zu­ge­hen, aber den gan­zen Tag auf dem Zim­mer zu ver­brin­gen, wird ver­mut­lich auch lang­wei­lig wer­den. Nach eini­ger Zeit beschlie­ßen wir erst ein­mal los­zu­ge­hen. Wir wer­den sehen wohin uns der Weg führt. Es ist bedeckt und win­dig, aber wenigs­tens hat der Nie­sel­re­gen auf­ge­hört. Unter­wegs ent­schei­den wir uns dazu, zum bota­ni­schen Gar­ten zu gehen. Die­ser ist das gan­ze Jahr geöff­net. Mit über 5.000 Pflan­zen­ar­ten wer­den auf einer Flä­che von rund 2,5 Hekt­ar neben ein­hei­mi­sche Pflan­zen auch nicht­ein­hei­mi­sche Pflan­zen, Hei­de­kraut­ge­wäch­se, Rosen, Pflan­zen des Wald­bo­dens, eine Baumsamm­lung, ein Stein­gar­ten und ein Kräu­ter­gar­ten dar­ge­bo­ten. Nach einer gefühl­ten Ewig­keit, es sind gute 3 Kilo­me­ter vom Hotel, errei­chen wir die­sen. Den Ein­gang müs­sen wir eine gan­ze Wei­se suchen. Von außen ist der ers­te Ein­druck eher ernüch­ternd. Auf Bil­dern, die ich zuvor gese­hen hat­te, sah alles viel schö­ner aus. Nach­dem wir den Ein­gang gefun­den haben, sind wir posi­tiv über­rascht. Lie­be­voll ange­legt Bee­te und ein Stei­gar­ten zei­gen sich in einer wun­der­schö­nen gestal­te­ten Anla­ge. Über­all duf­tet es nach Blu­men. Mit­ten­drin befin­det sich ein Café. Zwi­schen­zeit­lich nie­selt es immer mal wie­der. Wir gehen durch den Gar­ten, machen Bil­der und setz­ten uns auf eine Bank, um alles zu betrach­ten, bevor wir wie­der Rich­tung Hotel gehen.

Auf dem Weg dort­hin, habe ich die Idee an der „Ham­bur­ger Fac­to­ry“ vor­bei­zu­ge­hen, um uns die Prei­se anzu­se­hen. Ges­tern wur­de uns die „Ham­bur­ger Fac­to­ry“ als gut und güns­tig von der Rei­se­lei­te­rin emp­foh­len. Dort ange­kom­men, kön­nen wir nicht erken­nen, ob die Prei­se für ein­zel­ne Bur­ger oder für Menüs sind. Dadurch, dass die Kar­te so unüber­sicht­lich ist, ent­schei­den wir uns dazu, dass wir ent­we­der zu dem Bur­ger-Imbiss gehen, an dem wir am Diens­tag vor­bei­ge­gan­gen sind oder noch ein­mal in die Piz­ze­ria gehen, in der wir am Sonn­tag waren. Das wer­den wir heu­te Abend spon­tan ent­schei­den. Fürs ers­te gehen wir zurück in das Hotel, um Plät­ze im Bus zu reser­vie­ren, so wie es in der Rei­se­infor­ma­ti­on geschrie­ben steht.

An der Rezep­ti­on habe ich ein paar Pro­ble­me die Frau zu ver­ste­hen, da sie sehr schnell spricht. Irgend­wann bit­te ich sie, mir alles Wich­ti­ge auf­zu­schrei­ben. Dar­auf­hin druckt sie uns alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen aus. Nun wis­sen wir, dass wir um 4.30 Uhr an der Bus­sta­ti­on 10 ste­hen müs­sen, uns wie­der ein Bus zum Bus­bahn­hof fährt, wir dort in einen ande­ren Bus stei­gen und zum Flug­ha­fen gebracht wer­den. Das heißt für uns, dass wir ca.3.30 Uhr auf­ste­hen müs­sen. Was ich gut ver­stan­den habe, ist die Infor­ma­ti­on, dass wir uns Früh­stück, Crois­sants und Kaf­fee, mit­neh­men kön­nen. Die­se Tat­sa­che gefällt mir sehr gut. Nichts geht über einen Kaf­fee, wenn schon vor dem Auf­ste­hen auf­ge­stan­den wer­den muss. Mit all den Infor­ma­tio­nen ver­schwin­den wir ins Zim­mer. Die Kof­fer müs­sen wir nicht groß­ar­tig packen, da wir aus den Kof­fern gelebt haben, denn im Zim­mer gab es, wie bereits erwähnt, kei­ne groß­ar­ti­gen Mög­lich­kei­ten Klei­dung abzu­le­gen.

Von der Träg­heit gebremst, die ein Resul­tat von Schlaf­man­gel ist, ent­schei­den wir uns nicht mehr essen zu gehen. So wirk­lich Hun­ger haben wir auch nicht. Die rest­li­chen islän­di­schen Kro­nen wer­den wir mor­gen am Flug­ha­fen wie­der zurück­tau­schen. Ich kom­me zu der Erkennt­nis, dass die gan­ze Spar­sam­keit gar nichts gebracht hat, da wir nun weder Hun­ger ver­spü­ren noch Lust haben noch ein­mal los­zu­ge­hen.

Spä­ter wer­de ich noch ein­mal duschen gehen, so dass es mor­gen früh nicht noch stres­sig wird.

So geht der letz­te Tag in Reykja­vik zu Ende. Um 3.00 Uhr wird mor­gen früh mein Wecker klin­geln. Ich habe ihn bewusst frü­her gestellt. So muss ich nicht gleich auf­ste­hen und kann noch etwas lie­gen blei­ben, bevor wir uns auf den Weg zurück in die Hei­mat bege­ben.

22. Juli 2018

Als der Wecker klin­gelt, habe ich viel­leicht 2 – 3 Stun­den geschla­fen. Heu­te wird es ein lan­ger Tag wer­den und ich blei­be noch etwas lie­gen, bevor ich auf­ste­he. Ich ste­he auf und schlep­pe mich zum Wasch­be­cken.

Wir packen unse­re rest­li­chen Sachen ein und bege­ben uns zur Rezep­ti­on, um aus­zu­che­cken. Ich freue mich schon auf den Kaf­fee. Neben dem Kaf­fee gibt es auch klei­ne Crois­sants, Was­ser und Saft. Ich trin­ke nur eine Tas­se Kaf­fee, da ich bezweif­le, dass ich heu­te auch nur ansatz­wei­se fit wer­de, nach­dem ich kaum geschla­fen habe. Auf dem Weg zur Bus­sta­ti­on wer­den wir vom Nie­sel­re­gen beglei­tet, der zeit­wei­lig stär­ker und dann wie­der schwä­cher wird. Der Bus lässt heu­te auf sich war­ten, was dazu führt, dass mei­ne Lau­ne, in Ver­bin­dung mit dem Nie­sel­re­gen, sinkt. Mit deut­li­cher Ver­spä­tung trifft der Bus ein. Die Kof­fer wer­den ver­staut, wir stei­gen durch­nässt ein und fah­ren los. Der nächs­te Halt ist der Bus­bahn­hof, zu dem wir bei jeder Tour gefah­ren wur­den und umstei­gen muss­ten. Wir fra­gen uns ins­ge­heim, ob wir auch heu­te wie­der umstei­gen müs­sen, was unlo­gisch wäre. Doch wir müs­sen nicht umstei­gen. Der Bus­fah­rer geht durch die Rei­hen und sam­melt die Bus­ti­ckets ein. Es stei­gen noch ein paar Leu­te ein und um und schon fah­ren wir Rich­tung Flug­ha­fen, wel­chen wir nach 45 Minu­ten errei­chen. Als ers­tes tau­sche ich die islän­di­schen Kro­nen wie­der in Euro um. Zu mei­nem Erstau­nen wird auch das gan­ze Klein­geld wie­der zurück­ge­nom­men.

Wir gehen ziel­reich­tet zur Gepäck­auf­ga­be, um unse­re Kof­fer los­zu­wer­den. Bevor wir das machen kön­nen, müs­sen wir selbst an einen Auto­ma­ten unse­re Bord­ing­päs­se lösen, wie uns eine Dame vom Flug­ha­fen erklärt. Teil­wei­se ver­ste­he ich nicht was dort steht und ich drü­cke, auf gut Glück, immer wei­ter. Gera­de als ich nicht mehr wei­ter­weiß, kommt uns jemand vom Flug­ha­fen­per­so­nal zur Hil­fe, der zufäl­lig in der Nähe steht. Die Sit­ze, die uns ange­zeigt wer­den lie­gen weit aus­ein­an­der. Ich ver­su­che zwei neben­ein­an­der lie­gen­de Plät­ze zu fin­den, doch die mit einem x mar­kier­ten Plät­ze sind bereits ver­ge­ben, wie uns der Mit­ar­bei­ter vom Flug­ha­fen erklärt. Die­ser Umstand ist maß­ge­bend dafür, dass mei­ne Lau­ne in den Kel­ler sinkt. Schlecht gelaunt gehen wir zur Gepäck­auf­ga­be, wo sich inzwi­schen eine Viel­zahl von Men­schen ange­sam­melt haben. Was uns die Frau, die uns zum Ticket­au­to­ma­ten geschickt hat­te, jetzt erklärt, wird für mich ein ewi­ges Rät­sel blei­ben, zumin­dest bis zu dem Zeit­punkt, an dem wir den Schal­ter errei­chen, an dem wir unse­re Kof­fer abge­ben kön­nen. Die Schlan­ge ist sehr lang und es geht nur schlep­pend vor­an. Lang­sam müss­te mein Gesicht zur Faust geballt sein. Die gan­ze Zeit mecke­re ich vor mich hin, was weder an der Situa­ti­on der getrennt lie­gen­den Sit­ze noch an mei­ner schlech­ten Lau­ne etwas ändert. End­lich sind wir am Schal­ter und kön­nen unse­re Kof­fer abge­ben. Der Mann hin­ter dem Schal­ter erklärt uns in einen lan­gensa­men und ver­ständ­li­chen Eng­lisch, dass wir, wenn wir die Boar­ding­päs­se am Selbst­be­die­nungs­ter­mi­nal gelöst haben und sich die Kof­fer­auf­kle­ber ohne­hin schon am Gepäck befin­den, die Kof­fer an der Sei­te hät­ten selbst ein­scan­nen und aufs Band legen kön­nen. Damit wäre das Rät­sel gelöst, was uns die Frau im unver­ständ­li­chen Eng­lisch erzählt hat­te. Aller­dings lässt die­se Infor­ma­ti­on nun die Fra­ge auf­kom­men, war­um wir anfangs zum Selbst­be­die­nungs­ter­mi­nal geschickt wur­den, wenn wir auch am Schal­ter die Boar­ding­päs­se bekom­men. Nun gut, die­se Fra­ge wird wohl unbe­ant­wor­tet blei­ben. Ich bin noch immer ver­är­gert, was mei­nen Mann etwas amü­siert, da es nichts an der gege­be­nen Situa­ti­on ver­än­dert. So gehen wir zum Gate 22. Auf dem Weg dort­hin kom­men wir an einen Sou­ve­nir­shop vor­bei und haben die letz­te Mög­lich­keit ein T‑Shirt zu kau­fen, so wir es immer machen, wenn wir weg­flie­gen. Lei­der sind kei­ne schö­nen T‑Shirt dabei.

Als wir beim Gate 22 ankom­men, ist noch etwas Zeit bis das Boar­ding beginnt. Es dau­ert nicht lan­ge bis unse­re Flug­num­mer durch­ge­sagt wird und wir dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, dass das Boar­ding anfängt. Hier tref­fen wir auf die Fami­lie und dem Paar, die im sel­ben Hotel unter­ge­bracht waren und mit denen wir eini­ge Tou­ren zusam­men hat­ten. Auch bei ihnen sit­zen alle getrennt.

Und wie­der ste­hen wir in einer lan­gen Schlan­ge und es geht nur müh­sam vor­wärts. Wir stei­gen in das Flug­zeug ein und die freund­li­che Begrü­ßung der Ste­war­dess wird von mir mit einem bösen Blick erwi­dert. Auf der Suche nach unse­ren Sitz­plät­zen, stel­len wir fest, dass der Platz mei­nes Man­nes besetzt ist. Wir set­zen uns woan­ders hin und mei­ne Hoff­nung, dass wir hier sit­zen blei­ben kön­nen, wird je zer­stört, als sein Platz wie­der frei wird, so dass er sich umset­zen kann. Ich set­ze mich auch auf mei­nen Platz, der nicht ein­mal am Fens­ter, son­dern im Gang ist. Die Frau, wel­che in der Mit­te sitzt und ihre Tasche auf mei­nen Platz abge­legt hat, fragt mich, ob ich dort sit­zen möch­te. Die­se Fra­ge fin­de ich mehr als über­flüs­sig, was ich ihr mit einem ver­ächt­li­chen Blick zu ver­ste­hen gebe. Genervt set­ze ich mich, sehe auf dem Bild­schirm vorm mir im Sitz und war­te dar­auf, dass es los­geht. Die­ser Flug wird eine gefühl­te Ewig­keit dau­ern.

Eine Ste­war­dess spricht die Rei­he an, in der mein Mann sitzt. Es geht dar­um, dass eine Fami­lie zusam­men­sit­zen möch­te und alle Pas­sa­gie­re, die im Moment in die­ser Rei­he sit­zen, in der Busi­ness­class Platz neh­men kön­nen, so dass die Fami­lie zusam­men­sit­zen kann. Die­se Tat­sa­che ist der letz­te Trop­fen, der das Fass für mich zum Über­lau­fen bringt und als wäre das nicht schon genug, muss ich auch noch als Abla­ge her­hal­ten, als der Ste­ward den Sicher­heits­gurt, die Sauer­stoff­mas­ke und die Sicher­heits­wes­te erklärt. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass mei­ne Lau­ne heu­te noch ein­mal bes­ser wird. Nach­dem die Erklä­run­gen der Sicher­heits­hin­wei­se been­det sind, rol­len wir Rich­tung Start­bahn. Auch hier ste­hen wir gefühlt viel zu lan­ge bevor wir abhe­ben. Trotz der, für mich, schlech­ten Bedin­gun­gen des Rück­flu­ges, ver­las­sen wir mir wun­der­vol­len Erin­ne­run­gen Island, eine geheim­nis­vol­le und mys­ti­sche Insel, die mich mit ihrer Schön­heit und Ein­zig­ar­tig­keit ver­zau­bert hat.

Die Flug­hö­he ist erreicht und die Ste­war­des­sen kom­men mit Essen und Trin­ken den Gang ent­lang, wel­ches käuf­lich erwor­ben wer­den kann. Dem Gan­zen wür­di­ge ich kei­nes Bli­ckes und auch der Ste­ward, der extra für mich in die Hocke geht, da ich gera­de schrei­be, um mich zu fra­gen, ob ich etwas essen oder trin­ken, bekommt von mir nur ein Kopf­schüt­teln zur Ant­wort.

In einer Stun­de und vier­zig Minu­ten wer­den wir in Tegel lan­den und ich kann es auch kaum noch erwar­ten. Eigent­lich lie­be ich es zu flie­gen, aber nicht unter die­sen Umstän­den.

Die Lan­dung ist eher unsanft. Ohne auf die Ver­ab­schie­dung zu reagie­ren ver­las­se ich das Flug­zeug. Die Hoff­nung schnell den Flug­ha­fen mit unse­ren Kof­fern zu ver­las­sen, ist ver­ge­bens. Es dau­ert eine gan­ze Wei­le bis wir die­se haben und uns auf dem Weg nach Hau­se machen kön­nen. Den Rest des Weges, den wir mit Bus und Bahn zurück­le­gen, über­ste­hen wir ohne Pro­ble­me. Am Bahn­hof ange­kom­men, wer­den wir bereits erwar­tet. Zu Hau­se ange­kom­men machen wir uns frisch und las­sen dann unse­ren Urlaub bei einem Essen in einem Restau­rant aus­klin­gen.


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