Mallorca 2019

Da ist sie wieder, die schönste Zeit des Jahres – der Sommerurlaub. Auch dieses Jahr zieht es uns in die Ferne. Letztes Jahr waren wir auf Island, eine Insel auf der es im Sommer relativ frisch ist. Der Höchstwert lag, bei unserem Aufenthalt, bei 14 Grad. Island ist eine wunderschöne Insel, die mich mit ihrer Schönheit und ihren Naturwundern völlig verzaubert hat. Doch dieses Jahr geht es wieder in den warmen Süden, nach Mallorca. Der erste Gedanke ist natürlich Ballermann 6, Party, Alkohol und Katerstimmung. Bis dato haben mich genau diese Assoziationen mit dieser Baleareninsel davon abgehalten dort hinzufliegen. Allerdings gibt es auf Mallorca auch andere Seiten, die ruhigen, die im Grünen eingebettet sind und sich fernab der Partymeile befinden.

Diese Insel, mit ca. 80 Kilometern Durchmesser, hat eine große Vielfalt zu bieten. Entlang der 550 Kilometer Küste befinden sich einige schöne Buchten und Strände. Hier kommen alle auf ihre Kosten. Baden, tauchen, Fischen, segeln, surfen, eine Tour mit dem Mountainbike, eine Wandertour auf eigener Faust oder geführt von einen Tourguides. Auf zahlreiche, mal mehr mal weniger gut ausgeschilderten und mit Hinweistafeln versehenen Routen und Wegen entlang der Küste und durchs Landesinnere lässt sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad die Vielfalt der Insel entdecken.
Auch der Natur kommt eine besondere Bedeutung zu. Rund 40 Prozent der Fläche Mallorcas steht unter Naturschutz. In der von deutlichen Gegensätzen gekennzeichneten Landschaft besticht im Norden mit der Gebirgskette Sierra de Tramuntana mit ihren über 1 400 Meter hohen Gipfeln und südlich von Mallorca mit dem Meeresnationalpark auf Cabrera, eine nur gut eine Stunde von Mallorca entfernt liegende Inselgruppe. Jeder Winkel Mallorcas hält eine Überraschung bereit, die sich zu entdecken lohnt. Seit Jahrhunderten üben die Dörfer mit ihrer einzigartigen Atmosphäre eine nahezu anziehende Wirkung auf die Besucher der Insel aus.
Wir haben ein Zimmer in einem Hotel im Nord/Westen, genauer Puerto de Sóller, gebucht. Und genau genommen ist dieses Hotel eine alte Festung aus dem 13. Jahrhundert, die im 17. Jahrhundert zu einem Herrenhaus umgebaut wurde und es befindet sich am Fuße der Sierra de Tramuntana. Es gibt dort nur 150 Zimmer und jede Menge Ruhe und Entspannung. Aber wir wollen uns nicht nur entspannen, sondern so wie jedes Mal, wenn wir wegfliegen, etwas von der Insel sehen und erleben. Nur im Unterschied zu den anderen Reisen hatten wir dieses Mal keine Ausflüge im Reisebüro mit gebucht. Da auf Mallorca auch überall deutsch gesprochen wird, werden wir vor Ort Ausflüge buchen. So wie jedes Mal, wenn wir wegfliegen steigt die Aufregung mit jedem Tag.

21. Juli 2019

Es ist gerade einmal 05.24 Uhr. Auch dieses Jahr bin ich viel zu früh wach. Bevor ich mir die Mühe mache und erfolglos versuche wieder einzuschlafen, mache ich mir lieber erstmal einen Kaffee.
Der Kaffee ist getrunken und ich beginne damit ruhelos durch die Wohnung zu gehen, da ich das Gefühl habe etwas vergessen zu haben. Immer wieder kontrolliere ich alles Mögliche, um sicher zu gehen, dass es eingepackt ist. Die Zeit vergeht, die Koffer sind zu und es ist an der Zeit runterzugehen. Meine Eltern, die uns dieses Jahr zum Bahnhof bringen, werden gleich da sein. Und so ist es auch. Wir packen die Koffer in das Auto und fahren los. Überpünktlich erreichen wir den Bahnhof, was unweigerlich mein altbewährtes Problem hervorruft, warten. Ich mag es nicht zu warten, auch wenn es nur 15 Minuten sind, so kommt es mir ewig vor. Doch besser so, als den Zug zu verpassen. Der Zug kommt heute sogar pünktlich. Wie steigen ein und die Reise beginnt. Dieses Jahr müssen wir 3-mal umsteigen, bevor wir am Flughafen sind. Und dann heißt es wieder warten, da wir erst 15.24 Uhr fliegen. Eigentlich wollten wir von Rostock fliegen und so wie wir gebucht hatten, wären wir gegen 11.30 Uhr auf Mallorca gelandet. Kurz nachdem wir die Reise gebucht hatten, ging die Airline insolvent und wir wurden umgebucht. Von Rostock nach Hamburg und das Flugzeug startet erst um 15.24 Uhr, was mich ärgert. So verbringen den ersten Tag damit anzureisen und der Tag ist schon fast vorbei, wenn wir ankommen. Dennoch freue ich mich auf das Hotel, das Klima, die Umgebung und auf all das, was wir erleben werden.

Nach Mallorca wollte ich eigentlich nie, da ich es mit Alkohol, Party und Lärm verbinde. Jedoch gibt es auch eine andere, ruhige Seite auf der Insel. Vor gut zwei Jahren wurde uns die Insel empfohlen und uns wurde auch gleich gesagt, in welchen Teil der Insel wir uns ein Hotel suchen sollen. Die Empfehlung haben wir berücksichtigt und ein altes Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Es ist schön im Grünen eingebettet und die Bilder lassen die typischen Klischees, die mit Mallorca verbunden werden, nicht zu. Ganz im Gegenteil, diese Bilder versprechen Ruhe, Entspannung, Natur und Erholung.
Doch noch sind wir unterwegs. Unser nächster Halt wird Hamburg sein. Anschließend fahren wir noch einmal 25 Minuten mit der S–Bahn und erreichen dann den Flughafen.

Das erste Ziel haben wir trotz der ungeliebten Wartezeiten schnell erreicht– den Flughafen in Hamburg. Was uns sehr gefällt, dass die S–Bahn genau hier endet. Nur noch die Treppen hoch und schon befinden wir uns im Flughafengebäude. Im Vergleich zu Berlin, ist der Flughafen wesentlich kleiner, übersichtlicher und irgendwie ist man als Fluggast auch viel entspannter, allein weil es hier weniger chaotisch zugeht. Wenn ich da an Berlin denke, wo alles was zwei Beine hat kreuz und quer durch die verschiedenen Flughafengebäuden rennt und es scheint, als hätte niemand einen Plan, ist man an diesen Punkt, beim Betreten des Flughafens, sehr gestresst. Zumindest in Berlin. Wir orientieren uns kurz an welchen Schalter wir einchecken müssen und bevor wir dort hingehen, holen wir uns noch Kofferanhänger. Ob diese wirklich benötigt werden sein dahingestellt, es beruhigt aber irgendwie. Allein das Gefühl, dass die Anschrift vom Hotel draufsteht und der Koffer nachgeschickt werden kann, sollte er doch verloren gehen. So die Theorie. Wie es in der Praxis aussieht, weiß ich nicht und ich hoffe, dass uns diese Erfahrung erspart bleibt. Die Anhänger sind beschriftet und wir begeben uns auf den Weg zum Check In Schalter. Auch hier heißt es wieder warten, aber im Gegensatz zu Berlin, dauert es nicht lange. Wir geben unsere Koffer ab, bekommen unsere Bordingcards und können uns bis zum Boarding frei bewegen. Auch die Toiletten gefallen uns hier besser. Kein anstehen und, was in Berlin undenkbar ist, die Toiletten sind sauber und heile. Langsam macht sich der kleine Hunger bemerkbar. Wir holen uns etwas zum Essen und Trinken und setzen uns in einer gemütlichen Sitzecke, wo man, wenn man durch eine Drehtür geht, die Start– und Landebahn sehnen kann. Der Lärmpegel hält sich in Grenzen, was ich als sehr angenehm empfinde. Künftig, so haben wir es bereits beschlossen, werden wir lieber einen anderen Flughafen, als die in Berlin wählen.

Ich beobachte das Treiben und mir fällt ein Mann auf, der wohl schon das ein oder andere Bier zu viel hatte. Er holt sich ein neues, obwohl das Glas, welches vor ihm steht, noch nicht leer ist. Immer wieder steht er auf, läuft hin und her und spricht entweder mit sich selbst oder leidet an Tourette. Was er so sagt, verstehe ich nicht, außer „fuck“. Das er nur englisch spricht, bemerke ich, als er nach der Toilette fragt. Er hat einen kleinen blauen Koffer und als er wiederholt die Toilette aufsucht, kommt er ohne Koffer wieder. Mich würde mal interessieren, ob er überhaupt noch mitfliegen darf.
Da wir in knapp zwei Stunden fliegen, stehe ich noch einmal auf und gehe in den WC–Bereich. Als ich wieder zurückkomme, begegne ich zwei schwer bewaffneten Polizisten, die auf den Weg zur Toilette sind. Sofort muss ich an den alkoholisierten Mann denken, der ohne Koffer wieder rauskam. Nach einiger Zeit kommen die Polizisten grinsend wieder und hinter ihnen der Mann mit seinem Koffer.
Nun ist es an der Zeit, dass wir uns zur Sicherheitskontrolle begeben. Diese unterscheidet sich von allen anderen Flughäfen, die wir bisher betreten hatten. Hier gibt es nicht diese „Torsonde“, welche man passieren muss, in der Hoffnung, dass es nicht piept und man noch nachträglich kontrolliert und abgetastet wird. Hier stellt man sich auf die für die Füße markierte Fläche, spreizt die Arme etwas ab und was dann genau passiert, weiß ich nicht. Ich würde es Bodyscan nennen. Anschließend wird man in eine Kabine geschickt. Wenn alles in Ordnung ist und die Damen bzw. Herren nichts auf den Monitor angezeigt bekommen, kann man weiter gehen. Bei uns gab es nichts und wir konnten weiter. Auch hier ist keine Hektik zu spüren. Wir laufen durch den Duty Free Bereich, ohne was zu kaufen, und nehmen letztendlich beim Gate 04 Platz. Das Boarding müsste bald beginnen. Wir sitzen noch gar nicht lange und es erfolgt eine Durchsage, dass das Boarding in kürze beginnt und erst die Passagiere mit den Plätzen 1–10 und 30–40 zum Gate dürfen.  Zum Glück haben wir die Plätze 15A und 15B. Nach einiger Zeit folgt eine weitere Durchsage. Dadurch das beim Ent– und beladen Arbeitskräfte fehlen, wird sich das Boarding und der Abflug verzögern. Irgendwas ist ja immer. So heißt es für uns weiter warten. Knapp eine ¾ Stunde können wir ins Flugzeug einsteigen. Nachdem das letzte Gepäck verladen wurde und alle Sicherheitshinweise sowie sonstige Informationen über den Flug durchgesagt wurden, rollen wir zur Startbahn. Der Pilot meinte bei seiner Durchsage, dass er etwas schneller fliegen wird. Heute ist das Wetter zum Fliegen besser, so möchte er ein bisschen von der verlorenen Zeit wieder rausholen. Hoffentlich bekommt er das hin. Kaum sind wir auf der Startbahn, sind wir auch schon in der Luft. Ich muss zu meinem Bedauern feststellen, dass unsere Sitzplätze suboptimal sind. Die Triebwerke sind extrem laut. Da kann ich wohl, von Glück sprechen, dass dieser Flug nur 2,5 Stunden dauert. Von oben sieht wieder alles so winzig aus. Mit jeder Minute, die wir uns weiter entfernen, freue ich mich immer mehr den Alltag für eine Woche hinter uns zu lassen. Wir müssen uns um nichts kümmern und können einfach nur den Urlaub genießen. Als wir im Landeanflug sind, erfahren wir, dass der Pilot eine halbe Stunde wieder rausholen konnte.

Nach dem Aussteigen laufen wir gefühlt über die halbe Insel, um zur Gepäckausgabe zu gelangen und dort beginne ich wieder zu „fiebern“. Wie jedes Mal hoffe ich, dass wir unsere Koffer bekommen und wir nicht ohne Gepäck zum Hotel fahren. Da es eine relativ große Maschine ist, passen auch viele Koffer rein. Es dauert eine ganze Weile und wir bekommen unser Gepäck auch dieses Mal wieder. Zwischenzeitlich haben wir schon erfahren, wo wir hin müssen, um zu unserem Transfer zu gelangen. Die Koffer hinter uns herziehend gehen wir zum Neckermann Schalter und es wurde bereits auf uns gewartet und wir können ohne zu warten zum Hotel fahren. Auf den Weg dorthin kommen wir an bekannten Läden, wie zum Beispiel Lidl, Aldi, Bauhaus und Mediamarkt vorbei.
Wir erreichen das Hotel. Die Bilder im Katalog und Internet haben nicht zu viel versprochen. Unsere Unterkunft ist einfach traumhaft schön. An der Rezeption wird sehr gut deutsch gesprochen und somit können wir schnell einchecken und die Koffer im Zimmer abstellen, bevor wir zum Abendessen gehen. Die Terrasse, der Garten, das ganze Anwesen ist unbeschreiblich schön. Personen, die etwas für Schlösser, Burgen, Festungen und Herrenhäuser übrighaben, fühlen sich hier sehr wohl.

Da es schon relativ spät ist und die meisten Hotelgäste bereits gegessen haben, bekommen wir noch einen Platz auf der Terrasse und haben beim Essen einen wundervollen Ausblick. Die Geräuschkulisse ist ungewöhnlich laut. Es hört sich an, als würden unzählige Grillen zirpen. Bei einem kleinen Spaziergang rund um das Hotel entdecken wir in lauter versteckten Ecken stehen Tisch, die gar nicht so offensichtlich sind. An solch einen Tisch werden wir uns morgen Abend setzten.
Doch für heute Wir waren lange unterwegs und somit neigt sich der Tag dem Ende zu.

22. Juli 2019

Die erste Nacht ist vorbei und dank einer Klimaanlage, war es auch nicht zu warm. Nur leider ist sie mir zu laut, auch das klicken beim Ein– und ausschalten. Aber es gibt schlimmeres. Ich freue mich schon auf die Dusche und das dann folgende Frühstück. Was uns den Tag über so erwartet, wissen wir nicht. Die Reiseleitung, bei der man Ausflüge buchen kann, kommt erst Dienstagabend. Gestern hatten wir schon überlegt, dass wir heute den Ort Puerto de Sóller erkunden werden.

Das Frühstücksbüfett ist sehr reichhaltig. Es gibt alles, was das Herz begehrt. Von Brot, Brötchen, frisches Obst, verschiedenes Müsli über Spiegelei bis Pancake ist alles dabei. Wir haben das Glück einen der heißbegehrten Tische auf der Terrasse zu bekommen und haben nicht nur ein großartiges Frühstück, sondern auch einen fabelhaften Ausblick.

Wie wir es gestern überlegt hatten, gehen wir nach dem Frühstück den Küstenort Puerto de Sóller erkunden. Dieser Ort liegt an der Nordwestküste der balearischen Insel und 25 Kilometer nördlich von Palma. Der Name des Ortes bedeutet übersetzt „Hafen von Sóller“. Die Entfernung zum spanischen Festland beträgt ca. 170 Kilometer und Puerto de Sóller gehört zur Region Serra de Tramuntana. Die Tramuntana ist ein Gebirgszug, welches diesen Küstenort umgibt. Durch die Lage des Küstenortes ist es schon eine Sehenswürdigkeit für sich. Auf der einen Seite von diesem großen Gebirgszug umgeben und auf der anderen Seite eine große Bucht mit den vor Anker liegenden Schiffen.

Hier gibt es zwar viele Touristen, aber es ist nicht so überlaufen wie an anderen Orten. Wir haben genügend Platz, als wir die Strandpromenade entlanglaufen. Heute ist das Wetter glücklicherweise nicht so drückend wie gestern Abend, als wir angekommen waren. Die angezeigten 35 Grad lassen sich sehr gut aushalten. Ohne ein bestimmtes Ziel gehen wir durch die Ortschaft. Irgendwann entdecken wir ein Schild, der die Richtung zum Leuchtturm weißt, den Far del Cap Gros. Bei diesem Bauwerk handelt es sich um einen mehr als 100 Jahre alten Leuchtturm, der den Schiffen und Booten, die nach Puerto de Sóller wollen, den Weg weist. Dort wollen wir jetzt hin, da der Ausblick von dort oben wunderschön sein muss. Jedoch stellen wir unterwegs fest, dass wir unser Ziel nicht näherkommen. Als der Weg endet und wir erkennen, dass es keinen direkten Weg dorthin gibt, drehen wir wieder um. Es ist auch nicht ersichtlich wie weit es noch ist. Unterwegs sehen wir immer wieder den „roten Blitz“, eine Bahn die bis nach Palma und wieder zurückfährt. Seit 1912 wird diese Bahnstrecke betrieben und sie diente damals dazu die landwirtschaftlichen Produkte, zum Beispiel Mandeln und Orangen nach Palma zum Verkauf zu bringen. Heute wird die Bahn für die Touristen genutzt, um diese nach Palma und wieder zurückzufahren. Morgen werden wir auch mit dieser Bahn nach Palma fahren. In Sóller müssen wir noch einmal umsteigen, um nach Palma zu gelangen. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde, kostest als Kombiticket 32, – € pro Person und unterwegs werden sich tausend Möglichkeiten für schöne Bilder bieten, da diese Bahnen nicht sonderlich schnell fahren. Heute werden wir nur durch den Küstenort flanieren, da wir noch ein paar Tage haben und nicht alles an einen Tag erleben müssen. Auf dem Weg ins Hotel mache ich noch das ein oder andere Foto. In unserer Unterkunft angekommen, erkunden wir erst einmal die Anlage, die sehr groß und wunderschön angelegt ist. Überall führen Wege entlang, die irgendwo hingehen, zum Beispiel zu Tennisplatz, zum Außenpool oder zum zweiten Restaurant. Dafür das dieses Hotel nur 150 Zimmer hat, hat es viel zu bieten und wer nicht aufpasst, kann sich leicht verlaufen.

Was wir heute noch so machen weiß ich nicht, aber das ist auch nicht entscheidend. Fürs erste genießen wir die Ruhe auf der Terrasse und mit diesem wundervollen Ausblick, ist es ein leichtes abzuschalten. Wir wechseln in eine Sofaecke, die deutlich bequemer ist als die Stühle. Allerdings staut sich die Wärme unter dem Dach. Ich stehe auf und gehe in den Garten. Von hier aus hat man einen Blick auf den Tennisplatz. Ich beschließe das Hotel auch von dieser Seite zu fotografieren und hole meine Kamera.
Wir gehen zurück ins Zimmer. Inzwischen müssten die Reinigungskräfte durch sein. Das war der eigentliche Grund, warum wir überhaupt runter auf die Terrasse gegangen sind.

Das Zimmer ist gemacht und wir entscheiden uns den restlichen Tag mit nichts tun zu verbringen. Die Zeit vergeht und allmählich macht sich Hunger bemerkbar. Wir warten noch bis der erste Schwung weg ist und gehen zum Essen. Auch heute haben wir das Glück unser Essen auf der Terrasse zu genießen. Gerne würde ich mehr essen, als ich schaffe. Für ein Buffet schmeckt das angebotene Essen. Was uns sehr gefällt ist, dass bis zum Schluss nachgelegt wird. Wir sind satt und zufrieden und wechseln in die Sofaecke, wo wir bereits am Nachmittag gesessen hatten. Wir bestellen uns etwas zu trinken und lassen den Tag zu Ende gehen. Dieser Ort, weit ab von der berühmten Partymeile, lädt zum Entschleunigen ein. Einfach nur da sein und genießen. Um nichts müssen wir uns Gedanken machen.

23. Juli 2019

Auch der neue Tag begrüßt uns mit herrlichem Sonnenschein. Heute wollen wir mit der Bahn nach Palma. Ich bin gespannt wie kompliziert sich unser Vorhaben gestalten wird. Wie wir gestern herausgefunden haben, fährt die Bahn nicht durch. Unterwegs müssen wir in Sóller umsteigen. Eine andere Möglichkeit ist auch bis nach Sóller zu laufen und von dort mit der Bahn nach Palma zu fahren. Die Entfernung beträgt gute 4 Kilometer und wir wären eine knappe Stunde unterwegs. Ich lasse es einfach auf mich zukommen. Erst einmal frühstücken.

Beim Frühstück bleibt uns ein Tisch auf der Terrasse vergönnt. Der vorerst letzte Tisch wird uns vor der Nase weggenommen, was meine Laune rapide sinken lässt. Uns bleib nichts anderes übrig, als reinzugehen. Auch hier sind alles Plätze am Fenster besetzt. Gut, vereinzelt sind Tische frei, aber irgendwo dazwischen quetschen möchte ich mich nicht. Das ist mir alles zu beengt. Wir nehmen einen Tisch gegenüber der „Live cocking Station“. Umhüllt vom Geruch des frisch gebratenen sinkt meine Laune stetig. Allein der Gedanken nach gebratenen zu richten lässt mich innerlich explodieren. Es dauerte heute auch deutlich länger, bis wir unseren Kaffee haben. Immer wieder blicke ich sehnsüchtig nach draußen. Endlich bekommen wir Kaffee. Dann bahne ich mir, mit einem Gesicht zur Faust geballt, den Weg zum Büfett. Alle Menschen stehen mir, gefüllt, im Weg. Am liebsten würde ich alle wegschubsen. Dann kommt der Typ, der uns den Tisch weggenommen hat und ich würde ihn nur zu gerne anrempeln, als ich sein grinsen sehe. Sicher galt es nicht mir und der Tatsache, dass er sich an den Tisch gesetzt hat, den wir wollten, aber für mich ist in diesen Moment das Grinsen reine Provokation, auch wenn er es draußen nicht mitbekommen hatte, dass wir draußen den Tisch wollten, an dem er sich gesetzt hatte. Drinnen schmeckt das Frühstück nur halb so gut, aber es lässt sich nicht ändern. Ich weiß, dass ich schnell zur Dramaqueen werde, zumindest privat, wenn es nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle, aber in dem Moment kann ich nicht anders. Morgen ist ein neuer Tag und wieder eine Chance einen Platz auf der Terrasse zu bekommen. Nun werden wir uns auf den Weg machen, um nach Palma zu kommen.
Auf dem Weg zur Haltestelle kommen uns die beiden Straßenbahnen, die nach Sóller fahren an uns vorbei, aber ich nehme es gelassen, da ich vermute, dass in regelmäßigen Abständen fahren.
An der Haltestelle angekommen, sehen wir noch einmal auf den Plan. Das nächste Mal fährt eine um 12.00 Uhr. Allerdings hätten wir bei der Rückfahrt Probleme bekommen. Würde wir den Zug um 15.10 Uhr verpassen, bliebe nur noch der letzte Zug, der erst 19.40 Uhr zurückfährt. Dann würden wir aber die Reiseleitung verpassen, die heute um 18.15 Uhr Ansprechpartner für uns sein wird und wir hoffentlich interessante Ausflüge buchen können. Doch gleich neben den Zugfahrplan hängt ein Busfahrplan. Also nehmen wir den Bus, der auch schneller in Palma ist. Wir fragen bei der Information, ob wir dort Busfahrkarten bekommen. Wir bekommen zu erfahren, dass wir diese im Bus bekommen. Wir begegnen uns zur Haltestelle und kaum sind wir angekommen, fährt auch schon der Bus vor. Wir zahlen pro Karte 2,95 €. Mit dem roten Blitz wäre die Fahrt sicher schöner geworden, um unterwegs Fotos zu machen, aber wir hätten auch wesentlich mehr bezahlt.

In Palma angekommen laufen wir wie zwei ausgesetzte Hunde orientierungslos durch die Gegend. Auf den ersten Blick ist Palma keine schöne Stadt. Im Zentrum der Stadt, sieht es ziemlich runtergekommen aus. Es ist schon ziemlich enttäuschend. Unterwegs sind nicht einmal aussagekräftige Stadtpläne, die uns bei der Orientierung helfen. Wir nehmen die Verkehrsschilder zur Hilfe und gelangen so zur Kathedrale von Palma. Ich hatte gehofft, dass wir so abgesetzt werden, dass wir nur einmal über die Straße müssen und schon sind wir bei allen oder zumindest bei einigen interessanten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die einzige, die wir finden ist die Kathedrale. Von mehr mache ich auch keine Bilder. Was wir sonst noch zu sehen bekommen lohnt nicht zu fotografieren. Wir gehen die schmalen Gassen entlang, gehen in ein paar Läden, aber sonderlich aufregend und sehenswert ist Palma nicht. Da kann man genauso gut in einen versifften Stadtteil in Berlin spazieren gehen. Es ist einfach nur voll, laut, dreckig und stressig. Zum Glück sind wir mit dem Bus gefahren. Ich hätte mich sehr geärgert, hätten wir viel Geld ausgeben und erleben dann solch eine Enttäuschung. Kurzum beschließen wir den nächsten Bus zu nehmen, der wieder zurückfährt. Wir gehen wieder zurück zum Bahnhof und stellen fest, wir hätten tatsächlich nur einmal über die Straße gehen müssen und hätten uns einen riesengroßen Umweg zur Kathedrale gespart. Wir haben noch eine halbe Stunde Wartezeit bis der Bus fährt.

Zurück in Port de Sóller möchte ich einfach nur noch aufs Zimmer. Heute ist es noch wärmer als gestern, zumindest gefühlt. Doch das es warm wird, davon war auszugehen, als wir die Reise im Februar gebucht hatten. Die Temperatur sind hier besser zu ertragen als in Deutschland, was aber nicht, wie oft behauptet, an dem anderen Klima liegt. Im Urlaub ist der Mensch einfach entspannter. Wir gehen alles langsamer an, lassen uns mehr Zeit und vor allem fällt der Stress weg, den wir im Alltag haben. Als nächstes steht Entspannung auf dem Programm, bevor wir zum Treffen mit der Reiseleitung gehen.

Als wir zum Treffen mit der Reiseleitung kommen, haben sie schon angefangen. Sie berichtet über die Wanderungen, die sie anbieten. Die einzige, die uns interessiert, es ist eine Panorama–Tour, findet am Sonntag statt und an diesen Tag fliegen wir wieder nach Hause. Die anderen Wanderungen, die auf dem Zettel stehen, den sie uns gegeben hat, sind zwar interessant, aber keine, die zeitlich für uns in Frage kommt, ist unter 12 km. Eigentlich fand ich es gar nicht schlimm, dass wir dieses Mal keinen Ausflug bzw. keine Wanderung bei buchen der Reise mitgebracht hatten, aber seitdem wir hier sind, hatte ich immer mal wieder den Gedanken, ob es vielleicht doch besser gewesen wäre, hätten wir doch schon im Reisebüro etwas mit gebucht. Wenn ich jetzt mal die Tatsache außer Acht lasse, dass der Mann im Reisebüro keine Angebote für Wanderungen vorliegen hatten, wüssten wir, wann wir an welchen Tag wohin wandern und wir müssten nicht selber versuchen noch einen passablen Ausflug zu finden. Aber nun gut. Es ist jetzt so und zumindest haben wir gestern schon was gefunden, wo man Touren buchen kann. Dort gehen wir morgen hin und werden hoffentlich eine Tour finden, die uns zusagt. Und wenn nicht, dann haben wir zwar keine Wanderung oder Ausflug gemacht, bei den uns einer etwas über die Insel und seine Geschichte erzählt hat, aber dennoch genießen wir den Urlaub bis jetzt und wir erkunden unsere Urlaubsregion auf eigener Faust. Ich finde es auch nicht schlimm, mal einen Urlaub nicht so viel zu unternehmen. Es hat auch den Vorteil, dass wir an keine Zeiten gebunden sind und selbst entscheiden, wann wir losgehen. Vor unserer Reise bin ich auch noch davon ausgegangen, dass sie hier gut und fast überall deutsch sprechen. Nur leider trifft es auf die Region, in der wir Urlaub machen weniger zu.
Wir gehen direkt zum Abendessen und haben auf der Terrasse nahezu freie Platzwahl. An dem Essen gibt es auch heute nichts auszusetzen. Wir sitzen und erzählen, als plötzlich ein haariger Gast zu Besuch kommt– ein Kater. Solange wie wir sitzen kommt er immer wieder. Allerdings zu spät, mit dem Essen sind wir bereits fertig. Mich erinnert es unweigerlich an Kreta. Dort kam auch eine Zeit lang immer eine Katze. Wenn er morgen rechtzeitig da ist, bekommt er was ab. Satt und mit dem Wissen auch heute zu viel gegessen zu haben, machen wir uns auf dem Weg zum Supermarkt, der sich hier ganz in der Nähe befindet. Unsere Getränke sind leer. Das wird für heute unser letzter Ausflug sein.

24. Juli 2019

Ein neuer Tag erwacht und schenkt uns auch heute wieder Sonnenschein. Etwas später als gestern machen wir uns auf dem Weg zum Frühstück. Heute sind genügend freie Plätze auf der Terrasse, was mich sehr freut. Heute werden wir in Laufe des Tages dort hingehen, wo Ausflüge gebucht werden können. Wenn dort nichts Interessantes bei sein sollten, fahren wir mit der berühmten Straßenbahn nach Sóller, eine der schönsten Städte der Insel, zumindest laut Internet.

Kurzer Hand haben wir uns dazu entschlossen, nicht nach Wandertouren zu fragen und mit der historischen Straßenbahn nach Sóller zu fahren. Wir treffen zeitgleich mit der Straßenbahn am Haltepunkt an, steigen ein und kurze Zeit später startet die Fahrt. Während der Fahrt mache ich ein paar Bilder und nach nur 15 Minuten Fahrzeit haben wir Sóller erreicht. Wir steigen aus und gehen los. Schon auf den ersten Blick ist zu sehen, dass diese Stadt malerisch schön ist. Das Internet hat nicht zu viel versprochen. Vor allem ist sie nicht so überlaufen wie Palma. Als erstes gönnen wir uns ein Eis. Es ist das erste seitdem wir hier sind. Wir gehen weiter durchs Zentrum und verlassen dieses über eine Seitenstraße. Die Schönheit der Landschaft ist nicht mit Worten zu beschreiben. Überall stehen Organen– und Zitronenbäume. Der Duft begleitet uns auf den Weg, ohne zu wissen wo genau wir hingehen. Leider scheint es hier auch nicht sonderlich gut ausgeschildert zu sein, wie wir es aus anderen Urlauben kennen. Das könnte auch daran liegen, dass wir uns auf den „falschen“ Wegen befinden. Sonst hatten wir immer einen Wanderführer. Es hat auch Vorteile, die Gegend alleine zu erkunden. Auch wenn keiner da ist, der uns etwas zu der Insel und ihren Bewohnern etwas erzählt, so müssen wir auch auf niemanden warten und können individuell entscheiden wo wir entlanggehen und wie weit wir gehen. Auf den Rückweg zum Zentrum von Sóller kommen wir an einer Tafel vorbei, die die unterschiedlichen Wanderwege anzeigt. Doch für heute sind wir genug gelaufen und wenn wir noch eine Tour machen, dann wird es, in Angesicht der Wärme, eine kurze Tour werden. Zurück in Zentrum beschließen wir, die nächste Straßenbahn, die wieder nach Port de Sóller fährt zu nehmen. Nächstes Jahr werden wir beim buchen der Reise auch wieder Ausflüge mit buchen.

Am Haltepunkt der Straßenbahn stehen schon viele Menschen und wir müssen noch eine Weile warten. Mit einem Platz im Schatten, ist es ganz gut auszuhalten. Wie schon bei der Fahrt nach Sóller, können wir auch auf der Rückfahrt die wunderschöne Natur, Berge und Meer, betrachten und immer wieder kommen wir an Gärten vorbei, die voller Orangen– und Zitronenbäume sind.

Zurück in Port de Sóller, gehen wir direkt zurück in das Hotel. Mit der Sonne ist es fürs erste genug.

Es ist nun an der Zeit zum Essen zu gehen.
Erstaunlicherweise ist die Terrasse fast leer, als wir runterkommen. Wieder setzen wir uns in den hinteren Teil. Ich hoffe, dass heute mein neuer Freund, der kleine graue Kater von gestern, wieder vorbeikommt. Auch heute schmeckt wieder alles, was wir uns auf den Teller legen. Eigentlich bin ich schon satt, aber etwas Süßes geht noch. Ich komme zurück und „mein kleiner Freund“ sitzt auf der Mauer und wartet. Leider ist er wieder zu spät. Ich lege ihm den Boden vom Kuchen hin, der ihm offensichtlich nicht schmeckt, da er es liegen lässt. Hat er wohl Pech gehabt. Gestern sagte ich noch zu ihm, dass er morgen früher kommen muss, wenn er Fleisch haben möchte. Morgen kann er es noch einmal versuchen. Nach dem Essen bleiben wir noch etwas sitzen und lassen den Tag Revue passieren. Morgen wollen wir uns den Sonnenuntergang ansehen. Dafür müssen wir runter zum Hafen. Da kommt uns die Idee, ob es vielleicht auch vom Hotel aus einen guten Platz gibt, an dem wir den Sonnenuntergang beobachten können. Wir fahren mit dem Fahrstuhl nach ganz oben in den 5. Stock, doch leider gibt es nirgendwo eine Trasse oder ähnliches in der Richtung, in der wir den Sonnenuntergang sehen könnten. Dann müssen wir doch zum Hafen gehen, aber erst morgen oder übermorgen. Wie wir Sonntag bereits festgestellt haben ist so lange es hell ist, eine merkwürdige Geräuschkulisse zu hören, die mit dem Dunkel werden plötzlich verstummt. Wir befragen das Internet und finden heraus, dass die Sommermonate die Paarungszeit für die Zikaden ist.

25. Juli 2019

Auch dieser Tag beginnt mit wundervollem Sonnenschein. Nach einem reichhaltigen Frühstück gehen wir zurück aufs Zimmer. Es lohnt nicht noch vor dem Mittag zum Leuchtturm zu gehen, da wir dann in der Mittagssonne oben sind. Also warten wir und gehen gegen 14.00 Uhr los.
Es ist nun kurz nach 14.00 Uhr und wir machen uns auf den Weg zu dem Leuchtturm „Far de Cap Gros“. Am Montag waren wir bereits ein Stück in die Richtung gegangen, drehten aber um, da der Weg immer länger zu werden schien. Heute möchten wir bis zum Leuchtturm gehen. Der Weg wird sicher beschwerlich werden, da es auch heute sehr warm ist. Allerdings können wir unser Tempo selbst bestimmen, müssen keiner Gruppe hinterherkommen oder warten, dass alle wieder zusammen sind. Pausen können wir selbst bestimmen und Wasser haben wir dabei. Wir kommen am Strand vorbei und ich frage mich, warum man soweit fliegt und dann den ganzen Tag am Strand liegt. Wir kommen zu den Punkt, an dem wir schon Montag waren und auch heute scheint der Weg bis zum Leuchtturm noch weit zu sein. Wir gehen weiter und es folgt eine Steigung, die es in sich hat. Unter einen Baum bleiben wir stehen und haben einen großartigen Blick auf Port de Sóller. Umso höher wir kommen, umso schöner ist die Aussicht, die wir haben. Wir kommen am Leuchtturm an. Der Weg dorthin sah auf den ersten Blick weiter aus, als er tatsächlich ist. Zum Leuchtturm kommen wir nicht direkt ran, da sich weitläufig ein Zaun drumherum befindet, bei dem das Tor mit einer Kette und einem Schloss verschlossen ist. An der Umzäunung führt ein Weg vorbei, welchen wir folgen. Wir kommen zu einen Platz von dem die Aussicht noch schöner ist. Hier ist auch einer Wanderkarte aufgestellt, welche die verschiedenen Richtungen zeigt, wohin sie führen, die Entfernung und die benötigte Zeit. Wir folgen einem Weg und wollen eigentlich nur ein Stück um die Ecke gehen und dann wieder zurück. Wir erblicken, nachdem wir ein Stück gegangen sind, eine Bank, die im Schatten steht und setzen uns. Beim Betrachten der Beschaffenheit des Weges überlegen wir, ob es sinnvoll ist weiterzugehen. Der Weg ist sehr steinig und wir bräuchte dafür unsere Wanderschuhe, die aber im Hotel sind. Der Plan war ja nur bis zum Leuchtturm zu gehen und der Weg bis dahin ist asphaltiert. Kurzerhand entschließen wir uns noch ein kleines Stück weiterzugehen. Und so gehen wir immer weiter und weiter, mit jedem Stück, den wir vorankommen wir der Ausblick immer schöner. Der Weg wird uneben, es folgen unterschiedliche Steigungen, er wird schmal und dann wieder breit, wir rutschen auf den Steinen, doch wir gehen immer weiter. Unterwegs stehen gelegentlich Schilder, die uns anzeigen in welche Richtung wir müssen und wie lange es noch dauert. Nun sind wir schon so weit gekommen, also gehen wir weiter, auch wenn wir nicht unbedingt das passende Schuhwerk tragen und gelegentlich rutschen und ich ein paar Mal Gefahr laufe zu stürzen. Wir kommen an einen Zaun, an dem steht, dass die Tür nach dem durchlaufen wieder geschlossen werden soll, da sonst die Pferde weglaufen. Ich frage mich wer hier Pferde hinstellt. Hier gibt es nicht viel grünes, fast nur Sand und Steine. Immer wieder überlege ich, wo der Weg noch hinführt, denn die beschriftenden Schilder stehen nur vereinzelt. Meist sind nur kleine Balken mit Pfeilen zu sehen, denen wir folgen, da es meist die einzige Orientierung ist, die wir haben. Nach einiger Zeit treffen wir auf ein Maultier, welches hinter einen Zaun steht und noch ein Stück weiter steht ein Pferd und ein Maultier, auch hinter einen Zaun. Vereinzelt kommen uns auch Menschen entgegen. Das ist noch ein Vorteil, wenn man alleine geht. Es gibt keine Wandergruppen, die man überholt oder die einen, am besten an schmalen Stellen, entgegenkommen, so wie auf Madeira. Und schmale Stellen gibt es hier einige. Auf einer Seiten Felsen, auf der anderen Seite der Abgrund. Immer wieder bleibe ich stehen und mache Bilder, die die Schönheit der Natur nur erahnen lassen.  Auch wenn ich nicht weiß wie weit wir noch gehen müssen und wie beschwerlich der Weg noch sein wird, es hat sich auf jeden Fall gelohnt nicht nur ein kleines Stück weitergegangen zu sein. An einer Stelle, wo es relativ steil bergab geht und die Steine rutschig sind, werden wir von einem Jogger überholt. Innerlich fasse ich mich an den Kopf und bedauere seine Knie und Wirbelsäule. Unterwegs drehe ich mich immer wieder um und mache ein Bild von dem Weg und plötzlich ist oberhalb eine Ziege zu sehen, die auf uns runterblickt. Kurz zuvor stand auch ein Schild, welches auf Wildtiere hingewiesen hatte. Ich meinte nur, dass wir nicht mehr umdrehen, auch wenn der Yeti kommt. Zurückzugehen ist viel weiter und der Weg ist mit diesen Schuhen alles andere als einfach. Langsam verliere ich den Glauben daran, dass wir in Port de Sóller wieder ankommen. Der Weg will nicht enden, wird immer schmaler, steiler, steiniger und rutschiger und, dass wir das letzte beschriftet Schild gesehen hatten ist schon lange her. Doch wir gehen weiter. Uns kommen ein paar Jugendliche entgegen und beim Blick nach vorne ist die Straße zu sehen. Es kann also nicht mehr so weit sein, aber was auf den Schildern steht scheinen nur Schätzwerte zu sein und die Zeit wurde vermutlich mit der Sonnenuhr gestoppt. Auf der letzten Wanderkarte steht, dass es bis Port de Sóller nur noch 10 Minuten sind.

Zurück im Ort gönnen wir uns erst einmal ein Eis. Dabei ziehen wir das Fazit, dass der Weg zwar nicht ohne war und seine Tücken hatten, ich aber atemberaubend schöne Bilder machen konnte und wir Aussichten bekamen, die uns verwehrt geblieben wären, wären wir nur bis zum Leuchtturm und wieder zurückgegangen. Morgen werden wir sicherlich Muskelkater haben, aber das ist das geringste Übel. Vor dem Essen, das wir uns mehr als verdient haben, gehen wir duschen, da wir durchgeschwitzt sind. Frisch geduscht kommen wir runter und mein neuer „Freund“, der kleine graue Kater, ist schon da. Als hätte er mich gestern verstanden, als ich zu ihm meinte, dass er morgen früher kommen muss, wenn er was haben möchte. Wie ich ihm gestern zugesichert hatte, bekommt er heute etwas zu fressen. Der Fisch, den ich ihm gebe, scheint ihm nicht so zu schmecken, dafür aber das Huhn, welches ich von der gewürzten Haut befreie, bevor ich es ihm gebe. Heute ist sogar ein Schokobrunnen aufgebaut. Nach der spontanen Wanderung, die sich letztendlich über 11 Kilometer erstreckte, habe ich mir Früchte in Schokolade getaucht verdient. Der letzte Weg führt zurück ins Zimmer. Bewegung hatten wir heute genug. Was wir morgen machen, wird spontan entschieden. Das einzige was feststeht, ist der Muskelkater, den wir mit Sicherheit haben werden. Vielleicht sehen wir uns morgen unter anderem den Sonnenuntergang am Hafen an. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, die wir auf dieser schönen Insel verbringen, die viel mehr als Trinkgelage am Ballermann 6 zu bieten hat.

26. Juli 2019

Auch der heutige Tag erwacht mit Sonnenschein und einen wolkenlosen Himmel. Der Muskelkater, den wir gestern für heute vermutet hatten, ist ausgeblieben. Wohin es heute geht wird spontan entschieden. Später als die letzten Tage gehen wir zum Frühstück und es ist noch erstaunlich voll, irgendwie voller. Bei Frühstück überlegen wir, was wir heute machen können, aber so wirklich fällt uns nichts ein, aber der Tag hat auch erst begonnen.

Am frühen Nachmittag entscheiden wir uns einfach nur an der Strandpromenade entlang zu gehen. Den ersten Halt machen wir an der Bar, an der wir uns gestern nach der spontanen Wanderung das Eis geholt hatten. Wir setzen uns mit dem Eis in der Hand in einen Liegestuhl und genießen das Eis, die Aussicht und die Musik. Nach einer Weile gehen wir zurück, in die andere Richtung der Strandpromenade. Auch hier setzen wir uns in eine Bar, um etwas zu trinken. Wir entscheiden uns für ein Bier und einen Milchkaffee. Die Bedienung kommt und ich bestelle aus einem Mix von spanisch und englisch ein großes Bier. Die Bedienung wiederholt die Bestellung auf Deutsch. Ich gehe davon aus, dass sie wohl ganz gut deutsch versteht und bestelle den Milchkaffee ebenfalls auf Deutsch. Wir haben Zweifel, ob sie es richtig verstanden hat und diese Zweifel sind durchaus berechtigt. Als sie zurückkommt, bringt sie ein großes und ein kleines Bier. Nun stehen zwei Bier vor uns und ich möchte es auch nicht als Alternative trinken, da ich kein Bier trinke. Nun galt es kurz zu überlegen, was ich mache. Hole ich sie zurück und erkläre mit Händen und Füßen das ich kein Bier, sondern einen Milchkaffee wollte oder überlasse ich es meinen Mann. Es kocht etwas in mir, da ich mich über mich selber ärgere. Wie kann ich auch davon ausgehen, dass sie mich versteht, nur weil sie die Bestellung vom großen Bier auf Deutsch wiederholt hatte?! Nun gut, wieder was dazu gelernt. Nur weil eine Bestellung auf Deutsch wiederholt wird, heißt es noch lange nicht, dass deutsch auch verstanden wird. Ich überlasse meinem Mann das kleine Bier.

Auf den Rückweg gehen wir noch in verschiedene Souvenirläden, in der Hoffnung doch noch eine Sonnenbrille für mich zu finden und wenn nicht dann wenigstens ein T–Shirt. Wir finden von beidem reichlich, aber nichts was mir gefällt. In einen Laden, in es viele verschiedene Öle und Gewürze gibt kaufen wir unter anderen ein Salz mit Chili und Orange. Ich freue mich schon darauf zu erfahren wie das Salz sich geschmacklich auf das Essen auswirkt.
Zurück im Hotel steht Entspannung auf dem Programm. Vielleicht gehen wir heute Abend noch einmal zum Hafen, um uns den Sonnenuntergang anzusehen.
Beim Abendessen sehen wir, dass sich der Himmel zuzieht. Ein bedeckter Himmel ist keine gute Voraussetzung für ein optimales Foto vom Sonnenuntergang. Wir verschieben unser Vorhaben auf morgen. Das ist dann auch unsere letzte Chance für ein Foto vom Sonnenuntergang auf Mallorca.

27. Juli 2019

Unser letzter Tag auf Mallorca beginnt ohne Sonnenschein. Es ist bewölkt, was ganz angenehm ist. Die letzte Nacht haben wir nicht so gut geschlafen, dementsprechend müde und träge sind wir. Nach dem Frühstück gehen wir aufs Zimmer, um unsere Sachen zu holen. Heute ist in Sóller Wochenmarkt, der laut Internet ein Highlight sein soll. Allerdings wird auch vor Taschendieben und vor allem den sogenannten „Nelkenfrauen“ gewarnt. Das sind junge und hübschen Frauen, die den Männern schöne Augen machen, Nelken verkaufen wollen und einen Flirt vortäuschen. Sobald man die Nelken bezahlen will, schlagen die „Nelkenfrauen“ blitzschnell zu und erleichtern den Touristen um ihr Geld.
Eine andere Masche ist auch, den Touristen eine Nelke bzw. einen Strauß schenken zu wollen und aus Höflichkeit, möchte diese die Nelke bzw. den Strauß bezahlen und die Damen bedienen sich an den Scheinen, ohne das die Touristen es bemerken. Um dem Risiko zu entgehen, werden wir nicht so viel Geld mitnehmen und alles wichtige im Hotel lassen. Gestern hatten wir noch überlegt nach Sóller zu gehen und wenn wir zurück möchten, fahren wir wieder mit der historischen Straßenbahn, aber gerade sieht es nicht danach aus. Wir fahren hin und werden dann entscheiden, ob wir wieder zurückgehen. Doch ich vermute, wir werden auch wieder mit der Straßenbahn zurückfahren.
Wir kommen zur Haltestelle und dort warten bereits viele Menschen auf die Straßenbahn. Nach einiger Zeit kommt diese und entgegen meiner Erwartung bekommen wir noch einen Sitzplatz. Die Sonne versteckt sich noch immer hinter den Wolken und zeigt sich nur gelegentlich. Warm ist es trotzdem und auch ein bisschen drückender als die vergangenen Tage.

In Sóller angekommen fährt die Bahn direkt durch den Markt. Viele Menschen drängen sich an den Ständen entlang. Wer möchte, kann auch direkt im Marktgeschehen aussteigen. Wir fahren bis zur Endhaltestelle und steigen dort aus. Gemütlich gehen wir los und sehen uns die Stände an. Hier scheint es alles zur geben, Nahrungsmittel, Sachen, Schmuck, Dekoration und mallorquinische Spezialitäten, wie zum Beispiel Seife aus Orangen oder Zitronen. Der Markt erstreckt sich über eine riesige Fläche und es dauert eine ganze Weile bis wir alles abgelaufen haben.
Der Himmel sieht sich immer weiter zu und es scheint, als würde es bald regnen. Wenn nicht heute, dann sicher die nächsten Tage. Zwischendurch gehen wir auch durch schmale Gassen, die mir optisch sehr gefallen. Als wir vor ein paar Tagen in Sóller waren, habe ich bereits ein Foto gemacht. Heute habe ich nichts dabei, sodass mir auch nichts geklaut werden kann. Bevor wir wieder mit der haben zurück nach Sóller fahren, kaufen wir noch eine Postkarte für unsere Pinnwand und mit einem Eis in der Hand sitzen wir auf einen erhöhten Bordstein und warten auf die Straßenbahn. Es dauert nicht lange und es setzen sich immer mehr Menschen auf den Bordstein. Es ist schon faszinierend, dass die Menschen es solch extremes Herdenverhalten an den Tag legen. Sobald einer etwas macht, wird es wohl richtig sein und die anderen machen es nach.

Die historische Straßenbahn kommt und wir lassen erst einmal alle einsteigen. Im ersten Wagon sind noch freie Plätze und wir können ganz entspannt einsteigen und uns hinsetzen.

In Port de Sóller angekommen ist der Himmel nur noch locker bewölkt. Heute Abend gehen wir auf jeden Fall zum Hafen, um Bilder von Sonnenuntergang zu machen. Schließlich haben wir nur noch heute. Irgendetwas werden wir schon zu sehen bekommen. Wenn ein paar Wolken am Himmel sind, dann ist es auch nicht so schlimm.
Zurück im Hotel beginne ich damit schon einige Sachen für unsere morgige Rückreise zusammenzupacken.
Langsam bekommen wir Hunger. Der nächste Weg, den wir gehen, führt uns direkt zum Abendessen. Unser neuer Freund, der kleine graue Kater, kommt auch zu uns. Ich verabschiede mich von ihm. Plötzlich sehen wir ein seltsames Tier fliegen. Es sieht aus wie ein Mini–Kolibri, etwa so groß wie eine Hummel. Wir finden heraus, dass es ein Taubenschwänzchen ist.

Der Himmel ist bewölkt und dennoch werden wir unser Vorhaben zum Hafen zu gehen, um den Sonnenuntergang zu fotografieren, umsetzen. Nach dem Essen gehen wir hoch und holen unsere Sachen. Kurz darauf machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Die Sonnen beginnt bereits unterzugehen. Eine große Wolke wird den Sonnenuntergang gleich verdecken. Ich mache schnell ein paar Bilder. Es ist vielleicht nicht der schönste Sonnenuntergang, den ich fotografiert habe, aber die Bilder sind ganz annehmbar. Auf den Rückweg zum Hotel kaufen wir uns noch was zu trinken. Wenn wir wieder im Zimmer sind, werden wir uns auf den Balkon setzen, den Tag zu Ende gehen lassen und auf eine wundervolle Zeit auf Mallorca, in Port de la Sóller und Umgebung anstoßen.

28. Juli 2019

Es ist 5.30 Uhr und mein Wecker klingelt. Der letzte morgen auf Mallorca beginnt. Um 8.05 Uhr werden wir vom Hotel abgeholt. Wir packen noch die letzten Sachen ein, gehen zur Rezeption, um auszuhecken und dann geht es zum Frühstück bevor wir abgeholt und zum Flughafen gefahren werden. Unsere Koffer können wir an der Rezeption stehen lassen. Wir gehen zum Frühstück und gönnen uns zum Schluss jeder ein Glas Sekt.

Mit unseren Koffern im Schlepptau gehen wir Richtung Parkplatz, wo bereits ein Bus auf uns wartet. Am Flughafen geht es ähnlich chaotisch wie in Berlin zu. Viele Menschen, die orientierungslos durch die Gegend laufen. Dieser Flughafen ist auch etwas größer. Als erstes geben wir die Koffer beim Check In ab. Auf Toilette höre ich, wie sich jemand die letzte Nacht noch einmal durch den Kopf gehen lässt. Bei der Sicherheitskontrolle passieren wir ohne Probleme. Damit ist die erste Hürde geschafft. Wir durchlaufen die Shops, finden aber nichts was uns gefällt. Nun heißt es bis zum Boarding warten, welches um 11.00 Uhr beginnen soll. Bevor das Boarding beginnt, werden wir darauf hingewiesen, dass die Passagiere Gruppe 1 links und die Passagiere der Gruppe 2 rechts zum Boarding gehen. Da haben wir sie wieder, die „Zweiklassengesellschaft“ der Billigflieger. Ich habe keine Ahnung worin der Unterschied zwischen Gruppe 1 und Gruppe 2 besteht. Es fliegen alle im selben Flugzeug und eine Businessclass gibt es hier nicht. Letztendlich ist es auch egal, Hauptsache wir kommen heile hoch und wieder runter. Dann wird uns noch mitgeteilt, dass der Flieger sehr voll ist. Ich hoffe inständig, dass nicht mehr Gäste mitfliegen, als reinpassen.

Nachdem alle ihre Plätze eingenommen haben und die üblichen An- und Durchsagen gemacht sind, rollen wir Richtung Startbahn und kurze Zeit später befinden wir uns in der Luft.

Der Blick von hier oben ist immer wieder großartig, auch das Gefühl über den Wolken zu fliegen. Heute ist, auf Grund dessen, dass es bewölkt ist, nicht so viel zu sehen. Nach 2 Stunden und 15 Minuten werden wir in Hamburg landen. Im Gegensatz zum Hinflug gibt es heute gelegentlich einige Turbulenzen, die wir aber nicht zum ersten Mal erleben.

Im Landeanflug ist irgendwas anders. Wir befinden uns im Sinkflug und stiegen plötzlich wieder. Der Pilot meldet sich und informiert uns darüber, dass er noch einmal durchstarten musste, da ein anderes Flugzeug den Landeanflug behindert. Wir fliegen noch einmal zwei Linkskurven und setzen dann erneut zur Landung an. Dieses Mal klappt es und nach der Landung heißt es wieder auf die Koffer warten. Vermutlich wird immer noch der Personalmangel Grund für die lange Wartezeit sein. Endlich können wir unsere Koffer vom Band nehmen und gehen zum Ausgang. Die S–Bahn um

15.03 Uhr schaffen wir nicht mehr. Doch das ist nicht schlimm, da die S–Bahn in regelmäßigen Abständen zum Hamburger Hauptbahnhof fährt. Kurz nach 15.00 Uhr haben wir unsere Koffer und um 15.13 Uhr sitzen wir in der S–Bahn. Am Hauptbahnhof angekommen beschließen wir erst einmal etwas zu Essen und mit dem Zug um 16.51 Uhr nach Wittenberge und dann nach Neustadt (Dosse) zu fahren. Dort werden wir vom Bahnhof abgeholt und sind dann wieder zu Hause. Eins steht fest, dass stressigste am Urlaub ist die An– und Abreise zum Flughafen, ganz gleich von wo man fliegt.

Rückblickend betrachtet ist Mallorca eine Reise wert. Trotz der hohen Besucherzahl jedes Jahr, gibt es eine wundervolle Landschaft zu sehen, auch wenn die Insel dem Tourismus schon ganz schön zum Opfer gefallen ist. Egal wo die persönlichen Präferenzen liegen, ob Berge oder Meer, Party oder Erholung, Sport oder einfach nur am Strand liegen, hier kommen alle auf ihre Kosten und manchmal kann man auch kleinen zauberhaften Lebewesen begegnen, wie den Taubenschwänzchen, welches wir gestern beim Abendessen für einen kurzen Augenblick gesehen hatten.


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